Schnarch

Stimming’s Inn sinkt heute in den Winterschlaf. Um einstweilen keine Tröstlichkeit aufkommen zu lassen, Karl Kraus: https://www.youtube.com/watch?v=rg-uGpBhs2g

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Ehrendoktor der Universität Basel

Der Frankfurter Verleger KD Wolff (Stroemfeld) hat am 27. November, im Rahmen des 555. dies academicus, die Ehrendoktorwürde der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Basel erhalten. Wolff habe dazu beigetragen, »die tief greifende gesellschaftliche Erneuerung der letzten Jahrzehnte mitzugestalten«, heißt es in der Begründung. [Weiterlesen …]

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Kühle Betrachtung heißer Ware

** Von Martin Maurach, Opava **
EIN SCHWARZHÄNDLER (mit Hut und Sonnenbrille): Dabei fällt mir ein, daß ich noch eine sehr kostbare Gesamtausgabe [habe] von Heinrich von Kleist aus dem Jahr 1907. Wäre das nichts für Sie?
MARIA BRAUN: Bücher brennen so leicht, machen aber nicht warm.
S. (seinen Warenkoffer wieder packend und sein Jackett überstreifend, das Braun für ihn halten mußte; empfängt von ihr eine Brosche als Bezahlung): Tja, so gesehen –
M.B. (dezidiert): Ich sehe es so.
(Beide verlassen den nur schwach beleuchteten Treffpunkt nach verschiedenen Seiten.)

Kleist als Wertobjekt im Schwarzhandel vor der Währungsreform, dazu eine noch kein halbes Jahrhundert alte »Gesamtausgabe« aus der Zeit Erich Schmidts? Zu einer Zeit, wo seine Schriften zumindest in der Sowjetischen Besatzungszone übel verpönt waren, nach ihrem politischen Mißbrauch unter Hitler?
Brauns Dialogzeile über die leichte Entzündlichkeit von Büchern mag auch die Erfahrung der Bombennächte spiegeln. Wer hinter der Klage über mangelnden Heizwert außer dem Erbe des »Kohlenklau« auch die Kleist gemäßere Hitze der Passion vermutet, muß sich schon den ganzen Film ansehen.
(Quelle: Rainer Werner Fassbinder: Die Ehe der Maria Braun [Deutschland 1978]; eigene Nachschrift)

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Die Sonntagsfrage

Wer vermag bei Kleist die Formulierung »Schneebildhauer« zu finden, die Peter von Becker gelegentlich zitiert?
** »Heinrich von Kleist hat Schauspieler einmal die ›Schneebildhauer‹ genannt.« (Corbijn-Ausstellung in Berlin): http://www.tagesspiegel.de/kultur/anton-corbijn-ausstellung-in-berlin-stillleben-mit-stars/12592286.html
** »Aber, so sagt Kleist, der Schauspieler gleicht einem ›Schneebildhauer‹.« (Laudatio auf Gert Voss): http://www.tagesspiegel.de/kultur/laudatio-verstandeshelle-zauberkunst/6271266.html
Stimming’s Inn ist für Hinweise aller Art dankbar.

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Wert & Wirkung

»Ich erinnere hier an Heinrich von Kleist. Er hat uns eine Reihe von dramatischen Dichtungen gegeben, die in ihrer Art einzig sind, und die allerdings meine früher ausgesprochene Behauptung schwankend machen könnten, weil das Wirken eines selbstständigen Geistes, der sich frei und lebendig in einer, ihm von der Natur selbst angewiesenen Sphäre bewegt, nicht zu verkennen ist. Aber fragen wir nach dem Erfolg, so haben wir diese unsere Behauptung auch wieder gerechtfertigt, und um so entschiedener, je greller der Gegensatz zwischen dem Werth dieser Dichtungen und zwischen der Wirkung ist, die sie von der Bühne herab auf das Publicum machten. Der Prinz von Homburg hat nur theilweise befriedigt; auf mehreren und bedeutenden Theatern ist das Werk spurlos vorübergegangen; der zerbrochene Krug ist von den Repertoirs verschwunden; Käthchen und die Schroffensteiner mußten erst gehörig zerstückt und appretirt werden, und ihren innern Werth verlieren, um einen äußern zwischen den Coulissen zu erhalten. Dadurch aber haben sie ihren eigenthümlichen Zweck nicht erreicht; denn nimmermehr kann ich mit Jenen übereinstimmen, die da meinen, ein echt dramatisches Werk müsse im Lesen den Eindruck hervorbringen, den es auf den Bretern hervorbringen sollte. Dies widerspricht der Natur der Sache, und derlei Vorlesungen, selbst die gelungensten ermüden mehr, als sie erregen, ja, sie fallen oft genug sogar lächerlich aus, wie ernsthaft es auch die Zuhörer nehmen mögen.« (Ludwig Halirsch: Dramaturgische Skizzen. Bd. 2. Leipzig: Focke 1829, S. 178-180)

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Vom Boulevard

»Das Gesicht eines ewigen Kindes: Heinrich von Kleist. Claudia Schmölders weist darauf hin, man könne das Gesicht Bonapartes in seiner Zeit als erster Konsul gegen Kleists Konterfei austauschen. Das Prinzip, sich zwischen Tatsachen und Phantasien hin- und herzubewegen, Geschichten zu erzählen aufgrund wirklicher Vorfälle, nennt man das PRINZIP BOULEVARD.« (Alexander Kluge: Kongs große Stunde. Chronik des Zusammenhangs. Berlin: Suhrkamp 2015)

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Zeitfigur der Nachträglichkeit

Ralf Blittkowsky schreibt in seiner Besprechung von Birgit R. Erdles Habil.-Schrift Literarische Epistemologie der Zeit. Lektüren zu Kant, Kleist, Heine und Kafka (Paderborn: Fink, 2012):
»Am Beispiel von Kleists ›Marquise von O‹ erforscht Erdle eine radikal andere Wissenslücke, die zunächst als Lücke in der Beschreibung eines Vorgangs und zugleich als Bewusstseinslücke der Protagonistin hervortritt. Jene Lücke durchtrennt die Zeit der Geschehnisse von der Zeit der Erzählung. Jedoch schon bald wird das Bewusstsein des Leibes der Marquise, die Schwangerschaft nämlich, als Erinnerung des Unerinnerbaren dienen. Mit dem Wunsch, die Ordnung wieder herzustellen, die auf der chaotischen, gewalttätigen Uneinholbarkeit des Krieges basieren muss, greift die Marquise zum Mittel der berühmten Zeitungsannonce auf der Suche nach dem Vater ihres Kindes. Somit stellt Kleist Verbindungen zwischen Zahlen, Worten und Bedeutungen wie ›Generationen‹ und ›Genealogien‹ her, die im Nachhinein zwar wieder ihre patriarchalische Ordnung (durch Heirat des Vergewaltigers) erfahren, dabei aber ihren Anfang unmissverständlich in Krieg, Gewalt und Menschenverachtung haben. Über ›das Moment des uneinholbaren Anfangs‹ entwirft Kleist als Erster ›eine inverse Logik der Abfolge, die als Zeitfigur der Nachträglichkeit‹ beschrieben werden kann.« http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=21244

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Dresdeni ja Peterburi vahel

Den Malerzwillingen Gerhard und Karl von Kügelgen – zumindest ersterer den Kleistoiden wohlbekannt – widmet das ›Kadrioru Kunstimuuseum‹ in der estnischen Hauptstadt Tallinn eine große Ausstellung unter dem Titel Dresdeni ja Peterburi vahel. Kunstnikest kaksikvennad von Kügelgenid (Zwischen Dresden und St. Petersburg) (bis 13. März).
»For the first time, it is possible to get an excellent survey of the works by the Kügelgens that can be found in German and Russian museums, as well as in private collections. […] In the cultural memory of Germany, Russia and the Baltic countries, the von Kügelgens are a renowned family […]. Gerhard von Kügelgen […] is known in Germany as the painter of Goethe and as the friend of Caspar David Friedrich, and in Russia as the portraitist of Paul I’s family. Karl von Kügelgen has gone down in history as the artist who recorded the landscapes of Tsarist Russia’s new possessions: Estonia, Crimea and Finland. This exhibition focuses on the Kügelgen brothers’ ties to Estonia by presenting them as masters of major importance in Baltic art history. The Kügelgen brothers introduced the values of the Era of Enlightenment and a new artistic level to portraiture and landscape painting in Estonia and Livonia, and also raised the status of the artist’s profession generally, by seeing themselves not as artisans, but as belonging to the circle of free creators and intellectuals, and by entering into familial relationships with the Baltic nobility.« http://kadriorumuuseum.ekm.ee/en/syndmus/voyage-pittoresque-artist-brothers-von-kugelgen-in-germany-russia-and-the-baltic-countries/
Wer die Schau im schönen Tallinn mit seinem eisfreien Hafen nicht besuchen kann, dem sei der Erwerb des opulent bebilderten Katalogs (estnisch/englisch; 295 Seiten) nachdrücklich ans Herz gelegt: ISBN 978-9949-485-45-1, oder direkt beim Museum (inkl. Porto 36,91 Euro).

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Autorin dankt

Der Text der Rede von Monika Rinck zur Entgegennahme des diesjährigen Kleist-Preises, gehalten am 22. November im Foyer des Berliner Ensembles, war gestern auf der Seite von rbb-INFOradio abrufbar; inzwischen sind Hinweis und Link darauf gelöscht: http://tinyurl.com/nqnsr5l
Wer den Download versäumt hat, wird sich wohl bis zum Erscheinen des Kleist-Jahrbuchs 2016 gedulden müssen.

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Sprachlich an erster Stelle

Der Schauspieler Moritz Führmann im Interview mit der Rheinischen Post:
»Aber wenn wir schon über Sprache reden, dann dürfte wohl Heinrich von Kleist bei mir an erster Stelle stehen. Wenn man einen einzigen Satz von Kleist auswendig gelernt und verstanden hat, dann merkt man, dass man es nie besser sagen kann. Es lässt sich einfach nicht mehr anders formulieren, ohne einen Fehler zu begehen. ›Der Prinz von Homburg‹ und die ›Hermannsschlacht‹ sind einfach schöne, vollkommene Texte. Auch wegen solcher Texte wird das Theater dem Film immer voraus sein.« http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/kultur/gutenberg-hat-s-gruendlich-versaut-aid-1.5534772

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