Abiturstoff

»Eine Deutschstunde in Hamburg, Gymnasium Eppendorf, Abiturklasse ’15. Alexander geht ans Pult und liest vor: ›Seht sie an, die Meise. Trinkt sie, baut sie Scheiße. Da! Grad rauscht ihr drittes Ei wieder voll am Nest vorbei.‹ Mitschülerin Lena muss lachen. ›Warum lachen Sie?‹, will Deutschlehrerin Maike Languth wissen. ›Dass die Meise Scheiße baut ist umgangssprachlich, und es reimt sich nicht perfekt‹, erklärt Lena. Im wahrsten Sinne des Wortes ist es sogar ein Scheiß-Reim, aber das sagt Lena nicht.
Dieser, nun ja, fäkale Reim stammt aus der Feder von Robert Gernhardt. Und eben dieser Gernhardt ist erstmals Abiturstoff – neben Kafka, Kleist und König Ödipus von Sophokles.« http://www.welt.de/print/wams/hamburg/article140089552/Banal-Egal.html

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Ein Kommentar zu Abiturstoff

  1. Martin Maurach sagt:

    Nun mal nix gegen Gernhardt, dem wir schließlich auch die Verewigung der Kleistschen „Reiselust“ im gleichnamigen Strip verdanken (in: Bernstein, Gernhardt: „Besternte Ernte“,1976). Lieber etwas angewandter Deutschunterricht zum verlinkten Artikel aus der „Welt“, der wohl auch schneller geschrieben werden mußte, als der Sprachschutzengel flog:
    „Keiner der mehr als 8000 Abiturienten in Hamburg kam in den vergangenen Monaten umher, sich mit dem unkonventionellen Dichter [Gernhardt] zu beschäftigen.“
    Kommen sie auch nicht umhin, so doch offensichtlich weit herum.
    „Es ist auch die Sekundärliteratur, ein komplexer Sammelband, 240 Seiten dick, den der Sprachartist [wieder: Gernhardt] noch zu Lebzeiten an Universitäten gehalten hat und der nun für die Schüler ebenfalls prüfungsrelevant ist.“
    Ja, wer hätte nicht schon so manchen Sammelband an Universitäten gehalten, zum Beispiel an die Betontürme gewisser Gesamthochschulen, damit sie nicht umkippen… Täten sie es dennoch, wäre sicher kein Halten mehr für den Sammelband „zu Lebzeiten“.
    „Eine bundesweite Vereinheitlich der Abituraufgaben hält auch Peter Albrecht, Sprecher der Behörde für Schule und Berufsbildung, nicht für realistisch […]“
    Wie wahr!

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