Anekdote

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
In dem höchst vergnüglichen Parodienbuch Mantel, Schwert und Feder beschließen in einem Vorspiel im Himmel deutsche Dichtergrößen, den bisher unbesungenen Heiligen Martin dichterisch zu würdigen. Die Diskussion beendet Kleist: »Wir holen das Versäumte nach, dergestalt daß, indem wir in preußischem Pflichtgefühl einmal mehr nach Tinte und Feder greifen, wir nicht ablassen, ehe nicht, auch wenn die Sache noch schwieriger wäre als sie uns in diesem Moment erscheint, der Schaden behoben ist. Der freie Geist will, was er soll.« – Kleist steuert denn auch eine Anekdote aus der Römischen Provinz bei, die in verschachtelten Sätzen die Übergabe des halben Mantels an den Bettler schildert, der, »nicht begreifend, wie ihm geschieht, sich plötzlich im Besitz der einen Hälfte findet«, während der reitende Martin sich mit »Bassa Teremtemtem« und »hoho! hoho! hoho!« verabschiedet.
»So einen Kerl«, dachte der Bettler, »habe ich zeit meines Lebens nicht gesehen, – und einen so warmen Mantel auch nicht.«
(Ulrich Harbecke: Mantel, Schwert und Feder. St. Martins Ritt durch die deutsche Literatur. Literarische Parodien. Düsseldorf: Grupello 1997.)

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