Aus dem Königreiche Loango

In der Miszelle ›Ein schwarzer Regimentstambour und ein freigelassener Sklave‹ hat Horst Häker (Überwiegend Kleist, Heilbronn 2003, S. 238f.), eine Bemerkung in meiner Kleist-Biographie aufgreifend, die Taufregistereintragung mitgeteilt und kommentiert, welche die Taufe eines vom Territorium der heutigen Republik Kongo Verschleppten am 19. Juni 1787 in Kleists Heimatstadt Frankfurt bezeugt. Beide Berliner Zeitungen haben über dieses Ereignis »in deutlicher Anlehnung« (Häker) an den Wortlaut der Eintragung berichtet. Als Nachtrag zu Häkers Miszelle hier der Text aus Nr. 76 der ›Vossischen Zeitung‹ vom 26. Juni 1787:

Frankfurt an der Oder, den 20. Juni.
Gestern sahen wir in der hiesigen Gertrautskirche der Gubener Vorstadt eine rührende und feierliche Handlung. Ein Neger, jetzt 25 Jahr alt, aus dem Königreiche Loango auf der Küste von Guinea gebürtig, wurde von dem Prediger Hrn. Eccius getauft, und ihm die Namen Christian Friedrich Hermann Philipp beigelegt. Dieser Neger ist bereits in seinem 5ten Jahre durch den Sklavenhandel nach Suriname gebracht, und daselbst von dem Plantageneigenthümer Touzet eingehandelt worden, mit welchem er in der Folge hieher kam; nach dem Tode seines Herrn aber von dessen Wittwe, gebohrne Pally, frey gelassen, und auf sein Verlangen von dem Hrn. Eccius in der christlichen Religion unterrichtet wurde, welches mit so gutem Erfolg geschahe, daß er bei seiner Taufe in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung, alle Fragen mit einer bewundernswürdigen Deutlichkeit und Freimüthigkeit beantwortete. Die außerordentliche Stille und Aufmerksamkeit der Zuhörer gab zu erkennen, welchen Eindruck diese rührende Handlung auf die Herzen eines jeden machte.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.