Aus deutschen Chefetagen

Martin Wehrle in SPON über Bildungsnotstand im Management:
»Das Gesicht des jungen Geschäftsführers glüht. Er stößt Drohungen aus, weil eine Konkurrenzfirma seinen IT-Spezialisten abgeworben hat. Ich versuche, ihn zu beruhigen: ›Werden Sie bloß nicht zum Kohlhaas!‹ Fragend sieht er mich an: ›Was für ein Hase?‹ Ich erzähle ihm von dem Pferdehändler aus der Novelle von Heinrich von Kleist. Der griff zur Selbstjustiz, nachdem ihm ein Unrecht geschah. Der Manager zieht eine Grimasse: ›Ich bin doch kein Germanist!‹ Sag mir, was du liest – und ich sag dir, wer du bist. Wenn das stimmt, ist es um die deutschen Chefetagen schlecht bestellt.« http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/martin-wehrle-warum-chefs-mehr-lesen-sollten-a-1047069.html

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Ein Kommentar zu Aus deutschen Chefetagen

  1. Arno Pielenz sagt:

    Gilt auch für andere Bereiche:
    Im Parlament der Frankfurter Paulskirche ließ man in seine politischen Reden Zitate von Goethe, Shakespeare und aus der antiken Literatur einfließen. Auch im Reichstag zu Bismarcks Zeiten ging es nicht anders zu, selbst noch im Parlament der Weimarer Republik nahm man Anleihen bei der Klassikern. – Als Gauland im Brandenburgischen (!) Landtag den „Homburg“-Schlußsatz zitierte, wurde dieser weder von den Parlamentariern noch von Journalisten erkannt.
    Der kühnste kulturelle Ausflug des Bundestages ins Reich des Geistes war wohl das Trällern eines Pippi-Langstrumpf-Liedchens durch eine Ministerin, deren Namen ich nicht vergessen kann, weil ich ihn mir nie eingeprägt habe.

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