Aus Jerusalem

Die Heidelberger Universitätsbibliothek besitzt ein Exemplar der 1953 in Jerusalem erschienenen hebräischen Ausgabe des ›Michael Kohlhaas‹: Mikaēl Qōlhās / Heinrik fon Qleist. Tārgūm min hamaqōr hagermāni Meīr Hartiner. ‚Im ḥitukēj-‚eṣ mē’ēt Ja’aqob Pins. Das Buch gehörte, wie ein eingeklebter Zettel auf der Rückseite des vorderen Einbanddeckels belegt, vormals Helmut Sembdner, trägt auf dem Vorsatz die handschriftliche, aufs Jahr 1963 datierte Widmung: »Zur Erinnerung an unsere Begegnung am Vierwaldstätter See einen Beitrag zu Ihrer Sammlung / Hans und Gerda Herzfeld«, und wurde ausweislich der Signatur (86 A 2202 ML) Mitte der 80er Jahre von der UB Heidelberg erworben.

Die schwarzweißen Holzschnitte (8 ganzseitig und 3 im Text) zu Meir Hartiners (1880-1972) Übersetzung hat Jacob Pins (1917-2005) geschaffen, »the dean of Israeli woodcut artists and noted collector of Japanese prints and paintings« (The Jerusalem Post). »Das zeichnerische und graphische Können von Pins gipfelt in der Illustration der hebräischen Ausgabe (1953) von Heinrich Kleists (1777-1811) Klassiker ›Michael Kohlhaas‹, der Geschichte eines betrogenen Pferdehändlers, ein wichtiges Werk der Literaturgeschichte aus dem 19. Jahrhundert, in dem es um die Ehre, die Gerechtigkeit und die Menschenrechte geht. Begriffe, die den moralischen Anspruch und darüber hinaus das soziale Engagement des Künstlers verdeutlichen.« (http://tinyurl.com/9l4sfvd)

In dem Heidelberger Exemplar sind zwei kleinere Holzschnitte von Pins eigenhändig mit Bleistift signiert: Titelbatt (Pins 1952) und Impressum (Pins).

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3 Kommentare zu Aus Jerusalem

  1. ge sagt:

    Zur Provenienz: Das Exemplar erschien mit vier anderen illustrierten Kohlhaas-Ausgaben (Hans Pape, Axel von Leskoschek, Karl Mahr und Friedrich Stein) als Nr. 46.198 im Auktionskatalog von ?? [Bassenge? Hartung & Hartung? – müßte nachsehen] zum Schätzpreis von 220,- DM. Soweit ohne Benutzung der Sembdnerschen Korrespondenz, die sich im Kleist-Archiv Sembdner befindet, erinnerlich, wurde Sembdners Sammlung auf zwei Auktionen und in einem Antiquariatskatalog angeboten. Obiges Angebot liegt griffbereit neben mir in einem Sonderdruck des Katalogs mit dem Titel »Heinrich von Kleist. Aus der Bibliothek des Kleist-Forschers Helmut Sembdner«.
    Die beiden Auktionen liegen zeitlich vor dem Ankauf der Sembdner-Sammlung durch die Stadt Heilbronn. Aus dem Sembdner-Buchnachlaß, der an das Stuttgarter Antiquariat Engel ging und unvermutet in deren Katalog auftauchte, konnten wir (1999?) fast alles Sembdnerische/Kleistische erwerben. Zurückbehalten hat der Antiquar das Handexemplar von Sembdners »Kleist-Bibliographie 1803-1862« mit zahllosen handschriftlichen Anmerkungen und Nachträgen. Glücklicherweise hatten wir aber früher schon eine Kopie der kompletten Veröffentlichung erhalten, so daß wir zwar nicht wissen, wo sich das Original heute befindet, aber doch immerhin Sembdners Nachträgen nachspüren können.

  2. pst sagt:

    Ergänzend sei erwähnt, daß die Ausgabe nachgewiesen ist in Heinrich von Kleist. Bibliographie, Teil 1: Bis 1990, hrsg. von Günther Emig unter Mitarbeit von Arno Pielenz (Heilbronn: Kleist-Archiv Sembdner, 2007), S. 570. Für den deutschsprachigen Raum sind im KVK drei Exemplare gemeldet (UB Heidelberg; Herzogin Anna Amalia Bibliothek [1956?]; Deutsche Nationalbibliothek).

    • ge sagt:

      Ergänzend zur Ergänzung sei festgehalten, daß vorgenannte Bibliographie – 1.272 Seiten ›stark‹ und lexikonhoch – noch in wenigen Exemplaren zum Preis von 40 Euro erworben werden kann. Vid. Kleist-Bibliographie und daß die Kumulation für die Jahre 2001-2010 in heftigster Vorbereitung ist. Die Verzögerung erklärt sich lediglich daraus, daß Bibliographien das Unnötigste auf der Welt sind, daher auch in der Regel in keinem wissenschaftlichen Kleist-Buch erwähnt werden und ohne die ansonsten reichlich sprudelnden finanziellen Quellen entstehen müssen. O tempora o mores!!

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