Avant la lettre

Auf den Tag genau vor 204 Jahren erschien die letzte Ausgabe der Berliner Abendblätter (»Gründe, die hier nicht angegeben werden können, bestimmen mich, das Abendblatt mit dieser Nummer zu schließen.«). Mit dieser ›idealen Wurstzeitung‹ war Kleist, so Arno Widmann in einem ausgreifenden FR-Artikel, »ein Blogger lange vor der Erfindung des Bloggens«:
»Wer heute auf die ›Berliner Abendblätter‹ zurückschaut, der sieht, dass sie ein Blog waren – vor der Erfindung, ja vor der Möglichkeit des Blogs. Kleist war freilich klug genug zu wissen, dass sein Blog nur erfolgreich sein konnte, wenn er ihn öffnete für Trivialitäten. Er wusste, dass nicht alles zu einem Artikel geformt werden muss. Die bloße Aufzählung von Ereignissen, der wortgetreue Abdruck eines Verhörs beflügelt die Fantasie eines Lesers manchmal mächtiger als die flammendste Rede. Kleist hat in den Berliner Abendblättern erbarmungslos nachgedruckt aus anderen Zeitungen, er hat jeden Tag eine kleine Welt zusammengestellt aus den Welten, die ihm zugänglich waren. Das reizte ihn, das machte ihm Spaß.« http://www.fr-online.de/literatur/kleist-berliner-abendblaetter-poesie-und-ein-brand-in-steglitz,1472266,30237702.html

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