Bescheidene Schöpfungen

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Prof. Dr. Alfred Biese (1856-1930), zuletzt »Geh. Studienrat und Gymnasialdirektor in Frankfurt a. M.«, redete in seiner zwischen ca. 1907 und 1918 elfmal aufgelegten Deutschen Literaturgeschichte in drei Bänden insgesamt 2080 Seiten Fraktur, davon immerhin 36 über Kleist. Eines seiner erklärten Ziele war die »Volkstümlichkeit« (Bd. 1, S. V). Trotzdem vermeidet er große Einseitigkeiten, Forschungsstand hin oder her. Bemerkenswert erscheinen das mit ihrer Sprache begründete Lob der Penthesilea und – in dieser Zeit! – die distanzierte Beurteilung der Herrmannsschlacht. Manchmal freilich gerät die »Volkstümlichkeit« ein wenig bieder, so bei den nach Königsberg verlegten Produktionen:
»[…] hatte er [= Kleist] vorher mit dem ersten Wurf sogleich alles gewinnen wollen, so versuchte er es jetzt mit einfacheren, bescheideneren Schöpfungen und schrieb Novellen. ›Michael Kohlhaas‹ ward begonnen, ›Die Marquise von O….‹ vollendet. Eine wirkliche Begebenheit, die sich in Kleists Nähe zutrug, gab den Stoff zu dieser meisterhaften Erzählung, die man nicht wiedergeben kann, weil jede andere Wiedergabe als die Kleists selbst den Stoff als roh und gewagt erscheinen ließe.«
(Alfred Biese: Deutsche Literaturgeschichte. Zweiter Band: Von Goethe bis Mörike. München: Beck [11. Aufl.] 1918 [zuerst 1908?], S. 451-487; hier S. 460)

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