Betriebsprüfung

Heike Kunert war für die ZEIT beim Finale des 22. Open Mike und nicht sehr begeistert:
»Hätte es diese Schulmeisterlichkeit und Marketingmentalität schon immer gegeben, wir hätten keinen Kafka, keinen Kleist, keinen Doderer und erst recht keinen Musil. Und um sich nicht dem Vorwurf des Ewiggestrigen auszusetzen: auch keinen Lutz Seiler. Der Literaturbetrieb mit seinen Instituten, Schreibwerkstätten und Universitäten vollzieht fast unbemerkt einen Standortwechsel: nämlich weg von der Mitte der Gesellschaft, in der die erzählwürdigen Geschichten entstehen. Er macht seinem Namen als Betrieb mehr und mehr Ehre, er produziert Autoren, die Autoren produzieren Plastiktexte. Dass gleich zwei von ihnen beim diesjährigen Wettbewerb die Literaturinstitute selbst zum Thema ihrer Geschichte machten, sollte gewiss Respekt vor so viel Selbstironie abtrotzen, wirkte aber nur hilflos. Der Witz kam ungelenk daher, der erste Zuschauer schlief ein, und der Juror Andreas Maier ging vom Wasser zum Wein über.« http://www.zeit.de/kultur/2014-11/open-mike/seite-2

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