Bilderküsse und Kußbilder

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
In älteren Publikationen stößt man zuweilen auf diese graphische Variante eines Stichs nach dem Porträt von Peter Friedel:
http://www.v-kleist.com/hvk.jpg
Bekanntlich wünschte Kleist sich von Wilhelmine von Zenge, sie möge Friedels Miniatur »auf der Stirn« küssen (Brief vom 9. April 1801) – ein schönes Beispiel für die »Vorstellung einer Identität zwischen Bild und dargestellter Person« (Anne Eusterschulte).
Da die ›Kleistkampagne‹ (Kathrin Jütte) des Jubiläumsjahrs 2011 keine neuen Erkenntnisse zu dem Maler erbrachte, dem der Dichter im März 1801 Modell saß, sei hier wenigstens ein Kleinzeugnis nachgetragen, das unbekannt blieb, obwohl es seit über einem halben Jahrhundert gedruckt vorliegt.

Peter Friedel (1772/73-19.4.1814) porträtierte nicht nur Rahel Levin (Abb. in: Gerhard Schulz: Kleist. Eine Biographie. München 2007, S. 533), sondern auch den jungen Giacomo Meyerbeer (1791-1864). Das geht aus einem Brief von Amalia Beer, der Mutter des Komponisten, hervor, den sie ihm nach Darmstadt schickte:
»Berlin d. 21 Juny 1810 / Mein lieber Meyer […] bei Großvater über den Soffa hängt dein Bild von Fridel, daß küsse ich jedesmal […] Lebe wohl und behalte lieb Deine Dich liebende Mutter / Amalia Beer«
(zit. nach: Giacomo Meyerbeer: Briefwechsel und Tagebücher. Mit Unterstützung der Akademie der Künste Berlin in Verb. mit dem Institut für Musikforschung Berlin hrsg. und kommentiert von Heinz Becker. Bd. 1. Berlin 1960, S. 69f. und Erläuterung S. 592).

Das Original dieses Porträts ist verschollen, eine Reproduktion wurde jedoch am 30. April 1914 in der Vossischen Zeitung (Beilage Zeitbilder Nr. 51, S. 3) veröffentlicht (vgl. Jürgen Blunck [Red.]: Wilhelm Beer. Genius der Astronomie und Ökonomie 1797-1850. Berlin 1997, S. 76).

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