Burschikoses Adjektiv

Hermann Unterstöger in seiner SZ-Kolumne Sprachlabor:
»Die Pferde, die Kohlhaas bei seiner Rückkehr vorfindet, sind in Kleists Worten ›ein Paar dürre, abgehärmte Mähren‹ und ›das wahre Bild des Elends im Tierreiche‹. Bei uns im Blatt wurden sie zu ›runtergerockten Pferden‹. Leser, die Kleists Novelle kennen, können sich den Sinn dieses burschikosen Adjektivs ohne Weiteres erschließen; andere werden sich vielleicht fragen, ob Kohlhaasens Pferde sich beim Rock ’n’ Roll übernommen haben. So oder so erlaubt die Formulierung wieder einmal einen Blick ins Unterholz der Sprache, woselbst ein ständiges Werden und Vergehen stattfindet. Das englische Verb to rock bringt hier immer neue deutsche Blüten hervor, die wir dann in Zeitungstiteln wie ›Rentner rocken das Rathaus‹ bewundern dürfen. Zu diesen Blüten gehört auch (he)runtergerockt, ein sehr umgangssprachliches Synonym von verkommen, verdreckt, verlaust. Wie die Geschichte mit den Pferden ausging, ist bekannt: Kohlhaas rockte Land und Obrigkeit, dass es nur so eine Art hatte.« http://www.sueddeutsche.de/kolumne/sprachlabor-runtergerockt-1.2439582

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