Das Herz Brandenburgs im Brief nach Wien?

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Wien 1945, kurz vor Kriegsende:
»Walther schrieb lauter letzte Briefe. Sie kamen immer noch an. Gleichzeitig mit Gerüchten über das Wüten der Russen in Budapest. Ganz altfränkisch und pathetisch schrieb er: ›Meine liebe Freundin, das Schicksal hat mich in das innerste Herz Brandenburgs geführt, als wollte es mir nochmals die verborgensten Werte Brandenburgs, Bach und Kleist zeigen. Geschwader brausen über uns hinweg, aber sie gehen uns nichts an, denn der kleine Ort mit seinen 23 Häusern ist für sie nur Strecke…‹«.
So zitiert jedenfalls die Schriftstellerin Dorothea Zeemann (1909-1993), zeitweilige Gefährtin von Egon Friedell und Heimito von Doderer, im ersten Band ihrer Autobiographie einen Feldpostbrief des befreundeten Autors und Dramaturgen Walther Schneider (1897-1970). Vielleicht findet jemand unter den geneigten Lesern Näheres heraus oder sagt »eh’ scho wissen«. Eine erste Anfrage beim österreichischen Literaturarchiv in der Wiener Nationalbibliothek brachte jedenfalls keine Bestätigung des Briefschreibers und Wortlauts zur fraglichen Zeit.–
Übrigens war der große JSB im Brandenburgischen ja wohl mehr Gast, anders als sein dritter Sohn, der Frankfurter Jurastudent und spätere preußische Hofcembalist Carl Philipp Emanuel Bach…
(Quelle: Dorothea Zeemann: Einübung in Katastrophen. Leben zwischen 1913 und 1945, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1979, S. 156.)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.