Das Mißverständnis und die Tatsache

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Am 21. März 1937 appelliert Georg Minde-Pouet brieflich an den Berliner Oberstudiendirektor Dr. Georg Gloege, der mit der Begründung, die sogenannte ›Arier-Erklärung‹ nicht abgeben zu wollen, aus der Kleist-Gesellschaft ausgetreten sei. Seit spätestens 1934 mußten Mitglieder der Kleist-Gesellschaft schriftlich versichern, nicht von »Juden«, »Halbjuden« oder auch »Freimaurern« abzustammen. Es müsse, so Minde-Pouet, »hier irgendwo ein Mißverständnis« vorliegen. Denn »die Verweigerung der Arier-Erklärung« stünde doch »in Widerspruch zu der Tatsache […], daß Sie der Oberstudiendirektor der Königin-Luise-Schule sind«. Eine »gütige Aufklärung« täte daher not. – So wie Minde-Pouet darüber aufgeklärt war, daß im NS-Staat nicht mehr Beamter sein durfte, wer als ›Jude‹ galt – und wie es für ihn eine Tatsache war, daß eine wissenschaftliche Gesellschaft in diesem Staat nach den gleichen Prinzipien über ihre Mitglieder bestimmte wie dieser über seine ›Berufsbeamten‹.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.