Das verschwundene Schnäppchen

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Wo fehlt eine Tasse im Schrank? – Im Mai 1937 beim Kleist-Museum jedenfalls nicht, wie Minde-Pouet am 4. Mai 1937 dem Stadtschulrat von Frankfurt (Oder) mitteilte. Damals ließ Minde-Pouet mit städtischem Geld für das Museum eine Tasse erwerben, die Henriette Vogel »kurz vor ihrem gemeinsamen Tode mit Kleist am Wannsee noch als ein Geschenk für ihren Mann« bei der Berliner Königlichen Porzellan-Manufaktur in Auftrag gegeben hatte. Besitzerin sei damals eine »Verwandt[e] der einzigen Tochter der Henriette Vogel« gewesen, eine Frau Gertrud Zimmermann aus Schleusingen – so schreibt er unter unlesbarem Datum in den Zwanzigern des April 1937.
Ob Minde-Pouet freilich die Tasse wirklich jemals dem damaligen Museum übergeben hat, ob, wie er damals plante, bei der KPM Nachbildungen hergestellt worden sind, was 1945 aus dieser Tasse geworden ist – das läßt sich seinem Briefwechsel allein natürlich nicht entnehmen. Wohl aber soll es sich um ein Unikat gehandelt haben – das Minde-Pouet für zwei Drittel des von der KPM geschätzten Wertes seiner Besitzerin abkaufen ließ.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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