Demütige Stellung mißfällt

Die in unzähligen Kleist-Ausgaben gedruckte Abbildung, die den Großen Kurfürsten und den Prinzen von Hessen-Homburg nach der Schlacht bei Fehrbellin zeigt, ist bekanntlich die Kopie eines Historiengemäldes von Johann Karl Heinrich Kretschmar, das im September 1802 auf der Berliner Akademieausstellung ausgestellt war. Diese Kopie, ein Schabblatt von Johann Joseph Freidhoff, vertritt heute die Stelle von Kretschmars Bild, das gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden ist.
Allerdings scheint Freidhoffs Arbeit mitunter »keinen rechten Wohlgefallen« erregt zu haben, wie die Hessen-Homburgische Reim-Chronik. Zusammengestellt von Johann Georg Hamel (Homburg vor der Höhe, 1860), S. 230f., zu berichten weiß:
»Freidhoff widmete dieses Meisterbild dem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und dieser verehrte ein Exemplar dem Landgrafen Friedrich Joseph von Hessen-Homburg. Allein wegen der demüthigen Stellung, welche Kretschmar nach seiner idealen Auffassung des Vorgangs auf dem Schlachtfelde dem Prinzen Friedrich, Ahnherrn des ebengenannten Landgrafen, hierbei gegeben, hatte derselbe keinen rechten Wohlgefallen daran. Dieß suchte sich sein Kammerdiener, Daniel Fuchs, zu Nutz zu machen, bat daher seinen Fürsten und Herrn um dessen Überlassung und ließ nicht eher ab, bis daß es ihm der freigebige und gutmüthige Landgraf wirklich schenkte.
Der Kammerdiener hielt nun dieses werthvolle Geschenk, das ihm ohnehin viel Vergnügen machte, in hohen Ehren und wenige Tage vor seinem Lebensende verehrte er es mir, ›als einem guten Homburger, der so viel auf sein Fürstenhaus halte.‹ – Und so kam ich auf eine ungesuchte Weise in den Besitz des ursprünglich königlichen Geschenkes.«

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