Der Neue

»Bundestagspräsident Lammert liebt Kleist« (Focus_online) und hält heute die Laudatio auf Navid Kermani, den er zum diesjährigen Kleist-Preis-Träger bestimmt hat, der seinerseits in einem Interview mit dem ›Kölner Stadt-Anzeiger‹ über Religion und Patriotismus ganz nebenbei und locker Bescheid erteilt, was metaphysisch (bei) Kleist so abgeht:
»Kleist war sicher sehr viel weniger christlich-religiös verankert als etwa Hölderlin, Novalis oder Jean Paul. Aber in seinen Dramen und Erzählungen geht es doch immer um den Einbruch einer übermächtigen Wirklichkeit – des Schicksals – in das Leben des Menschen. Dieses Wissen um die Existenz höherer Gewalten und damit verbunden das Gefühl, verwundbar zu sein, nicht alles selbst in der Hand zu haben und bestimmen zu können, das findet in Kleists Werk schon sehr starken, gerade auch heute gültigen Ausdruck.«
– Zur Formel »Wissen um …« lese man Dolf Sternbergers klassischen Artikel (erstmals 1957) in: Sternberger, Storz und Süskind: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen.

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Ein Kommentar zu Der Neue

  1. Zwei Anmerkungen nach dem Besuch der Preisverleihungsfeierlichkeiten im BE:
    1. Ob es einem Preisträger hilft, wenn sein literarisches Werk vom Laudator in Dienst genommen und damit in die Schublade »political correct« einsortiert wird, darf füglich bezweifelt werden.
    2. Es gab in früheren Jahrhunderten das Wort »Dichtung«, das mit der Tätigkeit »ver-dichten« verwandt zu sein scheint. Vielleicht sollte das ein Autor bedenken, der 1,3 kg Buch abliefert, für das zu lesen man nach Aussage des Laudators 40 Stunden braucht (Nicht jeder Leser ist Rentner, der seine Zeit totschlagen muß) …

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