Der Zweifelhafte

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
»Der Zwiespältige«, das ist Kleist wenigstens für Hans Bäck in dessen Beitrag für das an- und aufregende Buch Kleist & ich, das Ergebnisse des Kleist-Literaturwettbewerbs 2011 vorstellt (hrsg. vom Freien Deutschen Autorenverband; Inhaltsverzeichnis), schön bebildert, mit leider fragwürdiger Typographie (st meist als Ligatur, also: volk-stümlich); s.a. Stimming’s Inn.
Bäck kann nun in den Chor der Verehrer nicht einstimmen. Schon wegen der »Gedichte an Germania« nicht, auch wenn Kleist solche nicht geschrieben hat. Und überhaupt sei die Romantik der »unheilvolle Vorläufer des Nationalismus«. So weit war die DDR-Germanistik der 1950er Jahre auch schon. Das führe dann schließlich zum »unguten Preußentum«. Auch Kleists Aphoristik findet nicht Bäcks Beifall, wohl deshalb, weil es sie nicht gibt. Und der Krug sei allenfalls was fürs »Bauerntheater« und überhaupt nicht »revolutionär«. Im Erdbeben spiegele sich wohl nur der »preußische Junkerdünkel«. In der Marquise, diesem »Grießschmarrn«, solle „ein junger Bauer [sic!] herhalten«, um die Ehre der Dame zu retten. »Courths Mahler [sic!] hat sich dieses Werk sicher als Lehrstück genommen.« Kohlhaas sei am Ende nur ein willfähriger Untertan, der seine Strafe akzeptiert. Und nun gar die Verlobung! »Der Karl May hat diese gleiche Problematik – böser Wilder, guter Weißer – spannender geschrieben.« Nun geht’s in der Verlobung gar nicht darum – und Karl May zeichnet sich ja eben dadurch aus, daß die »Wilden« eben nicht einfach die Bösen sind – Winnetou ein Bösmensch?
Ganz schlimm nun der »Amphytrion« [sic!], den Bäck als Klamauk um einen gehörnten Ehemann versteht – wie es auch »Sossias« [sic!] ist.
Kleists Dramen hielten sich streng »an den Aufbau der klassischen Dramen«, er fände »nichts Neues«. Käthchen könne man nur ironisch ansehen.
Bei Kleists Wort an Wilhelmine, es gelte »ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen und ein Kind zu zeugen«, werde immer die Fortsetzung verschwiegen: »aber leider kann ich meinen Stand nicht aufgeben«. Dies wohl vor allem, weil Kleist sie nie geschrieben hat und weil er seinen Stand sehr wohl aufgegeben hat.
Bäck hofft, »ein wenig das Bild zu recht gerückt [sic!] zu haben«. Loriot würde sagen: »Das Bild hängt schief.«

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.