Die Kohlhaas-Police

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Ein ornithologisch interessierter Wachmann, der die Vögel rund um das Vernichtungslager Auschwitz erforscht und dabei nebenher einen Häftling überleben läßt, der sie für ihn zeichnet. Was für ein Stoff – und wie wurde er verschenkt in der »Novelle« Die Vogelwelt von Auschwitz des langjährigen Versicherungsangestellten und -fachjournalisten Arno Surminski, der mit einigen Ostpreußenbüchern bekannt wurde. Eine ›Novelle‹ geht jedenfalls anders. Auch eine bizarre Schicksalskonstellation ist noch keine »unerhörte Begebenheit«, wie sie schon der Anfang des zweiten Kapitels bedeutungsschwer zitiert. Eine Reihe ziemlich dröge erzählter Episoden voller Vogelnamen ist es erst recht nicht, und ein ›Wortspiel‹ wie »Außer den Krähen ist Birkenau vogelfrei« ist schließlich vollkommen geschmackfrei.
Aber schon der allererste Satz reckt ja das Fähnchen des uneingelösten Anspruchs in die Höhe: »In der alten Königsstadt am Ufer der Weichsel lebte in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Mensch namens Mark Rogalski, den kriegerische Umstände in ein Gefangenenlager gebracht hatten.«
Hätte Kohlhaas seine Gäule doch bei Surminski versichert – vielleicht wäre noch alles gutgegangen!
(Quelle: Arno Surminski: Die Vogelwelt von Auschwitz. Eine Novelle. München: LangenMüller 2008; S. 12, 96, 9)

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