Die Partei, dein Planungshelfer

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Es half alles nichts – Minde-Pouets Kleist-Gesellschaft war im Terminkalender der NS-Aggressionspolitik einfach nicht unterzubringen. Und das, obwohl doch nach seiner Meinung »die Regierung und sämtliche Organisationen der Partei [an der Kleist-Gesellschaft] interessiert sind, und […] sie seit 1933 gefördert haben« (an den Berliner Germanisten Franz Koch, 25.3.1938). Dummerweise kam der für März 1938 geplanten Tagung der Einmarsch in Österreich in die Quere: Erste Verschiebung vom 20. auf den 27. März 1938; zweite Verschiebung auf den Herbst 1938 in Würzburg.
Noch dümmerer Weise hätte Koch schon im März vortragen sollen; obwohl es doch bei den »maßgebenden Stellen« »nur Verwunderung erregt [hat], daß ich [= MP] überhaupt versucht habe, die Tagung in einer Zeit zu halten, in der politische Ereignisse von größter Bedeutung sich abspielen […]«. Auf ein Beschwichtigungsangebot Minde-Pouets reagierte Koch mit berechtigter Indignation: »Daß ich mir von der Kleist-Gesellschaft einen Vortrag bezahlen lasse, den sie weder gehört noch gelesen hat, werden Sie mir im Ernste wohl nicht zumuten« (an Minde-Pouet, 26.3.1938). Und fragte sich bereits: »[…] wer garantiert mir, daß in Würzburg nicht ähnliche Motive wirksam werden.«
Er behielt natürlich recht. Minde-Pouet hatte sich inzwischen hinter dem Frankfurter Oberbürgermeister Martin Albrecht verkrochen, der Koch statt seiner am 8. Oktober 1938 wissen ließ: »Inzwischen ist es durch das grosse politische Geschehen in Sudetendeutschland erneut notwendig geworden, die für November vorgesehene Hauptversammlung der Kleist-Gesellschaft erneut [sic!] zu verlegen.«
Wäre das nicht der Weg in den Krieg gewesen, man könnte sagen: Difficile est …
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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