Die Reise um die Welt machen

** Von Martin Maurach, Opava **
»Wir lehnen Rücken an Rücken, die Kirche und die Ketzer, das Offizielle und die Opposition, und genau so wir beide, du und ich. Wir lehnen Rücken an Rücken, das ist die Situation, von der wir ausgehen. Weit, unermeßlich weit gehn wir aus einander rund um den ganzen Erdball. Aber am Ende begegnen wir einander wieder und fallen einander in die Arme, endlich vereint, vereint in der Wahrheit.«
So Michel, der Bürgermeister einer von den Truppen der Inquisition belagerten Stadt, zu seinem Sohn Bernard, um diesem zu erklären, warum er niemandem – am wenigsten der ganzen Gemeinde – die Entscheidung glaube abnehmen zu dürfen, wie er oder sie sich zu verhalten habe. Bernard wird zu den Partisanen in die Berge flüchten, Michel in der bereits in Brand gesteckten Stadt zurückbleiben. Jeder verfüge eben bestenfalls nur über ein Bruchstück der Wahrheit – nachdem diese wohl schon in Kleists Paradies entzweigegangen ist (Über das Marionettentheater).
(Quelle: Herbert Eisenreich: Die Ketzer oder Mehrere Arten der Wahrheit behilflich zu sein. Ein Lehrstück, in: ders.: Sebastian. Die Ketzer. Zwei Dialoge. Gütersloh: Mohn 1966, S. 60f.)

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