Dresdner Gedenktafeln

Das im Dezember 2011 eingeweihte Dresdner Kleistdenkmal (s. Stimming’s Inn) gruppiert die beiden Gedenktafeln, die ursprünglich an dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Haus Pillnitzer Straße 29, vormals Rampische Gasse 123 (Pirnasche Vorstadt) – Kleists Dresdner Adresse in den Jahren 1807ff. – angebracht waren (Photographie). Enthüllt wurden die Tafeln 1906 – und nicht 1909, wie verschiedentlich zu lesen ist –. Hierzu der mit S.F. gezeichnete Artikel Gedenktafeln für Heinrich von Kleist in Dresden (in: Die Gartenlaube, Jg. 1906, Nr. 11, S. 234):
»Die Erinnerung an den großen vaterlandsliebenden Dichter Heinrich von Kleist wachzuhalten, hat die um Kunst und Wissenschaft so verdiente Tiedgestiftung in Dresden an dem Wohnhause des Dichters Pillnitzerstraße 29 zwei Gedenktafeln angebracht. Die eine dieser Tafeln befindet sich am oberen Stockwerk des Hauses; sie ist aus getriebener, teils vergoldeter Bronze hergestellt und veranschaulicht das charakteristische, nachdenklich gesenkte Dichterhaupt, umrahmt von Lorbeer- und Eichenlaub. Die andere, aus Bronze gegossen, ist über der Hauspforte befestigt. Unter den Widmungsdaten erscheint Kleists dichterischer Ausspruch: ›Frei auf deutschem Grunde walten Laßt uns nach dem Brauch der Alten Seines Segens selbst uns freun Oder unser Grab ihm sein.‹ – Unterhalb dieses Verses zeigt sich als Symbol des Krieges der Tod, mit zwei sich unter dem Haupt kreuzenden Fackeln. Aus deren Rauch heraus entschwebt rechts die Muse des Dichters, links ist dieser selbst dargestellt als Jüngling, der sich unter den Fängen des Napoleonischen Adlers windet, ein Bild des jungen Deutschlands, das seine Fesseln zerreißen will. Bildhauer Richard König in Radebeul, der Schöpfer zahlreicher bedeutender, mit Auszeichnungen bedachter Bildwerke, hat diese schönen und eigenartigen Gedenktafeln modelliert.«

Zwei Jahre zuvor hatte die Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe (N.F., Jg. 1903/4, Nr. 21 [15.4.1904], Sp. 351) ihren Lesern mitgeteilt:
»Die Tiedge-Stiftung zu Dresden veröffentlicht ihren Bericht für das Jahr 1903. Es geht daraus hervor, daß sie auf künstlerischem Gebiete in bedeutsamer Weise tätig ist. […] Weiter wurden zwei Erinnerungstafeln bestellt. Eine für Tiedge und Elise von der Recke soll an dem Hause Körnerstraße Nr. 1 in Dresden angebracht werden, wo beide jahrelang gewohnt haben und auch gestorben sind; eine zweite Tafel erhält das Haus Pillnitzerstraße 29 in Dresden, wo Heinrich von Kleist 1807-1809 wohnte und Kätchen von Heilbronn, die Hermannsschlacht, Michael Kohlhaas, Penthesilea und anderes geschrieben hat. Eine künstlerische Grabplatte soll erhalten das Grab des Dichters Dr. August Gottlob Eberhard, der ›Hannchen und die Küchlein‹ schrieb und mit Tiedge befreundet war. Mit der Herstellung dieser drei Werke wurden beauftragt: Peter Pöppelmann, Richard König und August Th. Schreitmüller.«

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