Echt verhängnisvolle Gegend

In Hinsicht auf ›Nachrichten von Hans Kohlhase‹ (so Roland Reuß’ Dokumentation in den ›Berliner Kleist-Blättern‹ 3, S. 44-54) gebührt Emil Kuh nicht das Ur-, wohl aber ein Herausheber- oder Finderrecht. Kuhs einschlägige Arbeit, mittlerweile offenbar weitgehend in Vergessenheit geraten und nurmehr gelegentlich bibliographisch erfaßt, ist der Aufsatz mit dem Titel Die Quelle der Kleist’schen Erzählung: ›Michael Kohlhaas‹ (in: Stimmen der Zeit. Wochenschrift für Politik und Literatur, 1861, 2. Semester, Nr. 31, S. 161-171). Darin folgende Schlußbemerkung (S. 170f.):
»Die Gegend bei Potsdam ist wirklich verhängnißvoll. Unter jener Brücke verbarg Kohlhaas das geraubte Gut und wurde von dort durch den Scharfrichter nach Berlin gebracht. In Stimming bei Potsdam hat Kleist die Henriette Vogel und dann sich selbst erschossen, und von einem zweiten Doppel-Selbstmord an dem nämlichen Orte berichtet Zelter Goethen vom 31. Januar 1829: ›Der berühmte F., der Alles zu verkaufen hat, was fremd und theuer ist, lebende Thiere, Löwen und dergleichen Bestien – Du kennst ihn wohl aus der Zeitung – ein liebender Familienvater erwachsener Kinder – Dieser macht sich ein unschuldiges Vergnügen außer seiner Frau, fährt nach Potsdam mit seinem Hunde und noch einer Person, die unter dem Namen das Blumenmädchen nicht unbekannt ist, besteigt daselbst im Gasthofe bei Stimming eine comfortable Wohnung, läßt sich Holz bringen, um solches selber anzulegen, und am Donnerstage früh findet man das ganze Trioletto vom Dampfe erstickt. Der Hund wird auf den Mist geworfen. Anstalten, das neben einander liegende Paar zu erwecken, sind vergebens, nur der Misthaufen thut seine erwärmende, belebende Wirkung, und der Hund ist gerettet; woraus denn wieder eine neue Curart entstehen wird.‹«
Zur Lokalität heißt es im Kommentar der Münchner Goethe-Ausgabe (Bd. 20.3, S. 983): »Der Adreß-Kalender für Potsdam für das Jahr 1826 weist zwei Gasthöfe auf, die von einem Wirt namens Stimming betrieben wurden: ›Zum goldnen Stern‹ (damals: Königstr. 39) und ›Zum schwarzen Roß‹ (Königstr. 4); um welchen es sich handelt, konnte nicht ermittelt werden.«

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Ein Kommentar zu Echt verhängnisvolle Gegend

  1. HvK sagt:

    Peter Staengles verdienstvoller Hinweis gibt Anlaß zur Information, daß das Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn, im Rahmen seines in Überarbeitung befindlichen Internetangebots wie stets nebenbei und zuschußfrei – auch die Kleist-Bibliographie 1821-1913 sukzessive bearbeitet und daß in diesem Zusammenhang nicht nur die früher rudimentär publizierten bibliographischen Daten autopsiert und veröffentlicht, sondern daß auch die entsprechenden Aufsätze usw. zum Download bereitgestellt werden sollen – in dem Maße, in dem dies einem »Einzelkämpfer« zeitlich und arbeitsmäßig möglich ist.
    Die Adresse lautet: http://www.guenther-emig.de/hvk, dortselbst in der linken Spalte: »Downloads« bzw. »Kleist-Bibliographie«.

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