Eher nicht so sympathisch

Der Schriftsteller Andreas Maier in Deutschlandradio Kultur über den (Nicht-)Einfluß von Kleist auf seine Arbeit: »Dieses knappe, konzise Schreiben auf den Punkt gebracht, ist natürlich etwas, was ich technisch sehr bewundern kann. Aber andererseits gibt es für mich halt auch ein großes Problem mit Kleist – das selbe Problem, das ich mit Kafka habe: Das ist für mich – ich nenne das immer so – das ist für mich alles so ein bisschen auf Lücke geschrieben. Da guckt also jemand mit großem analytischen Verstand: Was kann ich? Was kann ich nicht? Und das nicht so Umfassende, das eher kleiner Geratene, was er kann, an dem hält er eisern fest, schafft interessante Formen, die teilweise sehr exzessiv sind – sprachlich sehr exzessiv sind, die von der Drastik her exzessiv sind, ähnlich bei Kleist wie bei Kafka. Das halten die dann eisern durch und kriegen dann da anschließend dafür auch eine dementsprechende Fangemeinde; was ich weder schlecht noch gut heiße. Die Person Kafkas ist mir nicht unsympathisch, die Person Kleists ist mir eher nicht so sympathisch. Aber ganz unabhängig davon: Für mich ist das beides so ein bisschen auf Lücke geschrieben. Deshalb wirkt es so speziell, so besonders, auch so absurd, aber es gibt halt doch Autoren, die ein bisschen mehr den Zugang zu einem umfassenderen Blick aufs Sein haben und einfach universaler arbeiten können als jemand wie Kafka und wie Kleist.«
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1507391/

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Ein Kommentar zu Eher nicht so sympathisch

  1. Martin Maurach sagt:

    Wie es auf der verlinkten Seite auch noch heißt: „Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.“

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