Ein anderer

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
»Bei Stifter ist im ›Witiko‹ alles eingebaut, was dem Geist des Terrors entgegenwirkt: Ein anderer Prinz von Homburg, läßt Witiko den Gegner, schon umzingelt, entkommen in Weitsicht und Milde, und sein Herzog versteht ihn mit salomonischem Spruch.«
Stimmt, also fast wie dieser andere Dorfrichter Adam, der sich um Evchens Ehre willen duelliert, oder vielmehr wie jener andere Herrmann, der mit Varus die Römischen Verträge abschließt. »Weitsicht und Milde«, nun gut, aber der Literaturwissenschaftler Hermann Pongs (1889-1979) dachte hier wohl auch weniger an das von Napoleon beherrschte Europa der Kleistzeit als an seine eigene Vision ›heroischer Einfalt‹, welche die staatliche Ordnung erneuern oder gar ersetzen sollte. Zwar wird man seinen Schriften, etwa über das Bild in der Dichtung, nicht schlechthin Einfalt vorwerfen können; heroisch aber war seine Affaire mit dem NS-Staat, die ihn nach 1945 die Professur (späterhin aber nicht die Pension) kostete, gewiß nicht: »1942 verfaßte er militärische Tornisterschriften für das Oberkommando der Wehrmacht.«
(Quellen: Hermann Pongs: Romanschaffen im Umbruch der Zeit. Eine Chronik von 1952 bis 1962. Tübingen: Verlag der deutschen Hochschullehrerzeitung, 4. Aufl. 1963, S. 301. – Christoph König [Hrsg.]: Internationales Germanistenlexikon 1800-1950. Berlin, New York: de Gruyter, 2003, hier Bd. 2, S. 1421 [Hartmut Ferenschild]).

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