Ein Fall von Produktpiraterie?

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Zu dem bleiernen Schlußpunkt, den Kleist am 21. November 1811 setzte, merkte der mit Heinrich Heine verwandte Hermann Schiff 1866 lakonisch an: »Er war Edelmann und Militär, wußte mit Waffen umzugehen und traf sich gut«.

Zumindest von einer der Waffen, die er an seinem Todestag bei sich trug und abfeuerte, meint man den Hersteller zu kennen, nämlich die Werkstatt des italienischen Laufschmieds Lazarino Cominazzo (1634-1696), die in ganz Europa für ihre »exquisiten« Schießeisen bekannt war (Franz Freiherr Gaudy). Schon lange vor Kleists Selbsttötung fanden diese Eingang in die deutsche Literatur: So ist etwa in August von Kotzebues Schauspiel Üble Laune (1799) von den »Pistolen von Lazarino Comminazzo« die Rede, die ein Obrist »pfeifen hören« lassen will. Und in einem noch einige Jahre früher gedruckten Theaterstück des schreibenden Offiziers Cornelius von Ayrenhoff wird der »berühmte Büchsenmacher« ebenfalls erwähnt, in Die gelehrte Frau.

Bei der von Kleist verwendeten Pistole ist jedoch nicht auszuschließen, daß es sich um einen Fall von Markenfälschung gehandelt haben könnte. Über die Waffen des Lazarino Cominazzo, »die nach ihm Lazarinische genannt wurden«, weiß bereits ein Zeitgenosse Kleists anzugeben, daß neben den »wahren« mit der eingravierten Signatur des Meisters auch »nachgemachte, mit dem Namen und Zeichen des Cominazzo«, in den Handel gekommen seien; »[…] es erfordert einige Kenntniß der ächten Läufe, um mit den falschen nicht hintergangen zu werden.« (Gebhard Erich Leopold Timaeus: Versuch über Gewehrfabriken, die Schießkunst, und das Jagdwesen. Leipzig 1792, S. 56).

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