Ein gar ungesalzen Ding

Unserem Freund D. S. aus N. verdanken wir den Hinweis auf die folgende Korrespondenznachricht aus Hannover von Wilhelm Blumenhagen in der Dresdner Abend-Zeitung vom 8. März 1823 (Nr. 58, S. 232):
»Die Schlacht von Fehrbellin stürmte auch über unsere Bühne, jedoch, des genialen Tieck’s Vorwort in allen Ehren, sie schien uns, so wie wir sie Holbeinisirt sahen, ein gar ungesalzen Ding. – Kein Charakter ist ausgemalt, ja die meisten nicht einmal richtig angelegt; das wenige Lyrische darin im Munde des Prinzen und des alten Kotwitz von der Nachtträumerei, den Morgenschönheiten und der Kirche am Wege, wird lächerliche Mädchenfaselei im Munde der Soldaten. Kleist’s Deutsch ist zerbrochen, mit Inversionen so durcheinander gerüttelt, daß es kaum mundrecht zu machen, und so klingt’s wie Verse, Reime und Erzprosa im Siebe geschüttelt. Die vielbesprochene Scene von der Todesfurcht des jungen Heroen sahen wir nicht; unser Friedrich war ein ächter Coulissenheld, winselnd als Somnambüle, hochfahrend als Reiter, und als General seine alten Kriegskameraden behandelnd, wie man Gassenbuben abfertigt. So etwas kann nicht gefallen, doch errang sich Hr. Hanf als Kurfürst Beifall, obgleich aus Nichts zu schaffen sonst nur des Herrgotts Sache bleibt.«

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