Ein Herrenwitz

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
In seiner fundierten Biographie Ernst von Rüchels berichtet Olaf Jessen von einer »Entgleisung, die seinem [Rüchels – A.P.] Herrenwitz kein gutes Zeugnis ausstellt«. Bei Laukhard, auf den als Quelle verwiesen wird, ist nachzulesen, worin diese bestand:
Hr. von Rüchel versprach einmal einem Burschen einen Thaler, wenn er den Franzosen, nach Kostheim zu, den bloßen Hintern weisen wollte. Herr von Rüchel war damals von Wein etwas bescheniert. Der Bursche sagte ganz kalt: »Gern verdiente ich den Thaler: aber es schickt sich doch nicht, den Feind so zu behandeln.« Herr von Rüchel, statt das zu fühlen, suchte fluchs einen andern, welcher für den Thaler, den Hintern entblößen, ihn den Franzosen hinweisen, und dazu rufen mußte: »Hier leckt mich im A—, ihr hunzföttischen Patrioten! kommt her, leckt!« – Von diesem unanständigen Verfahren hat man sogar in Frankreich gesprochen. Auch ist es richtig, daß man durch dergleichen mehr sich als den Feind beschimpft. –
Sehr unwahrscheinlich, daß Kleist von dieser Entgleisung seines Generals nichts gehört hätte – in einem Militärlager wird getratscht wie auf dem Fischmarkt. Wahrscheinlich aber m. E. auch, daß er Laukhards Autobiographie gelesen hat, schildert sie doch Feldzüge (wie in diesem Falle die Belagerung von Mainz), an denen er selbst teilgenommen hat. Respekt übrigens vor dem ersten Soldaten, der das Ansinnen ablehnte. – Und vielleicht liegt ja in dieser Episode der Kern zu jener Anekdote, in der ein Soldat die Hosen herunterläßt und das Exekutionskommando auffordert, sie mögten ihn in den … schießen, damit das F… kein L… bekäme. – Vielleicht.
(Olaf Jessen: »Preußens Napoleon«? Ernst von Rüchel [Paderborn u.a.: Schöningh, 2007], S. 145. – Friedrich Christian Laukhard: Leben und Schicksale. 5 Teile in 3 Bänden [Frankfurt a.M.: Zweitausendeins, 1987], Bd II, T. 3, S. 383f.)

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