Erträgliche Bäcker

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Daß der spätere Jurist Peter Friedrich von Uechtritz (1800-1875) als Student »die Bemerkung gemacht [habe], daß ja Heinrich von Kleist bis zum Todtschießen verkannt worden« sei, steht in einem Brief von Berliner Freunden an Christian Dietrich Grabbe nach Dresden. Der Verfasser, Ludwig Gustorf, ehemaliger Berliner Kommilitone Grabbes und später ein anerkannter Mediziner, kommentiert: »Schöner Trost! Unsere Reise [von Berlin nach Leipzig] war ein Originalgenie.« (Das letztere bezieht sich auf »Burgunder«, »anatomische Zeichnungen unserer Herzen« und die offenbar vergebliche Suche nach »Schlafstellen des weiblichen Haus-Personals«.)
Ob aber Kleist seinerseits schon anderthalb Jahrzehnte zuvor in Dresden ähnliche Beobachtungen angestellt haben mag wie der damals 22jährige Dramatiker aus Detmold, der dort auf Förderung durch Ludwig Tieck und eine Anstellung beim Sächsischen Hoftheater hoffte? »In Dresden sind: erträgliche Bäcker, schlechte Conditoren, gute Speisewirthe, hohe Häuser, dumpfe Stuben, und der zehnte Mensch hat krumme Beine.«
(Quelle: Ludwig Gustorf u.a. an Grabbe, 24. April 1823; Grabbe an Gustorf, ca. Mitte April 1823, in: Christian Dietrich Grabbe: Briefe I. 1812-1832. Historisch-kritische Gesamtausgabe (Alfred Bergmann), Bd. 5. Emsdetten: Lechte 1970, S. 73, 72)

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