Existenzielle Goldwaage

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Für Juristen ist das ›Rechtsgefühl‹ als Gefühl kaum beweiskräftig, und sein Bezug zum ›Recht‹, sei es zum positiven Recht, sei es zum Naturrecht, auch nicht ohne weiteres dingfest zu machen. Gerhard Sprenger, langjähriger Geschäftsführer des Zentrums für interdisziplinäre Forschung und Honorarprofessor an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld, entwirft vor diesem Hintergrund eine existenzphilosophische Deutung: Das Rechtsgefühl zeige eine »ursprüngliche Zusammengehörigkeit von Sein und Recht« an, die in der »Gegenseitigkeit« als einer fundamentalen Bestimmung des menschlichen Daseins offenbar werde, vulgo darin, daß der Mensch ›immer schon‹ zusammen mit anderen und auf diese bezogen existiere. Dieses ›Gefühl‹ erwache aber erst, wenn die ›Gegenseitigkeit‹ durch das Erleiden von Unrecht verletzt werde.
Sprengers postum erschienene kleine Sammlung seiner Aufsätze über die Beziehungen der Literatur zum Recht (u.a. bei Busch, Fontane, Nikolai Leskov) erwähnt Michael Kohlhaas mehrmals, widmet ihm aber keine eigene Abhandlung.
(Gerhard Sprenger: Literarische Wege zum Recht. Baden-Baden: Nomos 2012, S. 95, 100f.)

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