Fälschlich ersponnene Seile

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Schon vor zehn Jahren hat László F. Földényi mit der Muse des in Linz lebenden Autors Christian Steinbacher (geb. 1960) ein Buch gezeugt, an dem auch Kleist nur vorbeikommt, indem er drin vorkommt. Mindestens zehn Seiten, 168 bis 178, sind überschrieben als »Traben mit Kleist«. Thema ist die Vermeidung eines Themas, Handlung das Nichthandeln. Kein Wunder also, daß sich die Melancholie – um die es dabei dann doch geht – manchmal auch beim Leser einstellt, und zwar mitten im Unwetterpotenzial, um mich jahreszeitengerecht auszudrücken, der höchst kunstvollen Stilbrüche, Parodien und Diskursiositäten, die nur so auf ihn einhageln: Dann nämlich, wenn das alles des – wirklich! – Guten einfach ein bißchen zuviel wird: »›Wo es reicht, / blüht die Eskalation sowieso‹«.
Schön gesagt. Kleist nun aber? Kostprobe: »Dass er akkurat für das gerade stehen habe wollen, worein ihm kein natürliches Vertrauen, sondern vielmehr eines, das sich, voller Hoffnung auf die Notwendigkeit einer Überzeichnung, an den fälschlich ersponnenen Seilen einer immer wieder erst künftigen Weisung ausgerichtet hätte, indessen er all das, worin sein Vertrauen es sich bereits heimelig machen habe dürfen, mehr und mehr, und ungerechterweise, vernachlässigt habe«
Und hier ja keinen Punkt! Es steckt aber, dieser Verdacht erhärtet sich auf 284 hart zu erkämpfenden Seiten, mehr in Steinbachers Montagen als die Koinzidenz von Stilblüte und Stil. Allerdings muß man längere Passagen überblicken; dann erst erschließt sich quasi ein philosophisches Kneipengerede, das sich selbst parodiert.
(Christian Steinbacher: Die Treffsicherheit des Lamas. Innsbruck, Wien: Haymon 2004, hier S. 274, 176)

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