Familienbande

Aus Detlev von Liliencrons (auto-)biographischem Roman Leben und Lüge, entstanden 1908:
»Die erste Kompagnie führte Hauptmann von Winterfeld. In seiner Kompagnie standen Premierleutnant von Pannwitz, ich und Portepeefähnrich Prall.
[…]
14.6.66. Marsch von Ober-Gräditz nach Nimpsch. Auf dem Marsch erzählte mir Pannwitz mit Stolz, daß die Mutter von Heinrich von Kleist aus seinem Hause wäre. Ich fragte, ob dieser Heinrich von Kleist Minister oder sonst ein hoher Herr gewesen sei. Aber Pannwitz lachte mich aus, verwundert über meine Unwissenheit, und meinte, daß Minister, in den meisten Fällen, bald nach ihrem Tode vergessen wären. Dagegen würde ein solcher großer Dichter wie Heinrich von Kleist niemals vergessen werden. Ich war beschämt, denn ich hatte nie von einem Dichter Heinrich von Kleist gehört; niemals war er mir von meinen Lehrern genannt worden. Und er war doch schon über fünfzig Jahre tot.«
(Leben und Lüge. Biographischer Roman von Detlev von Liliencron. 7. Aufl., Berlin u. Leipzig: Schuster und Loeffler, o.J. [1909] [= Sämtliche Werke von Detlev von Liliencron; Bd. 15], S. 94f.)

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