Fußnote zum »Marionettentheater«

** Von Martin Maurach, Opava **
»Als in Spanien die gerechteste aller Revolutionen schier gewaltlos demokratisch siegte, feierte dies das Volk Madrids mit einem kolossalen Stierkampf. Kurz nachdem in Deutschland die Schreckensherrschaft zur Macht kam, erließ Hermann Göring einen Erlaß, der das Unwesen der Tanzbären ein für allemal verbot.«
So Franz Baermann Steiner im Jahr 1947, der 1909 in Prag geboren wurde und als Dichter, Aphoristiker, Sozialwissenschaftler und Ethnologe 1952 im Oxforder Exil starb. An anderer Stelle bemerkt er über Kleist, daß dieser zu wenig »deutsch« sei, um wirklich über die nationalen Grenzen hinaus zu wirken: »Kleist ist der preußische Dichter. Hätte Preußen nicht Deutschland erobert, hätte es seine Identität bewahrt, sein Wesen entfaltet und ausgestrahlt, so wäre auch im Franzosen, Juden und Chinesen stark Preußisches, das Kleist zum Leben erwecken würde…«. »Es gibt«, so seine Maxime, »eine Wertschätzung der höchsten Ebene […], die nichts mit fadem Internationalismus zu tun hat: da gelten nur die veredelten nationalen Eigentümlichkeiten, da ists, als ob jeder wirklich Gebildete einen Franzosen, einen Engländer, einen Deutschen, Russen, Juden, Chinesen, Inder, Japaner in sich hätte […]«.
(Quelle: Franz Baermann Steiner: Feststellungen und Versuche. Aufzeichnungen 1943-1952. Göttingen: Wallstein 2009, S. 127, 144f.)

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