Ganz andere Pläne

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Es wäre ja immer noch den Versuch wert herauszufinden, wie weit Leni Riefenstahls Filmprojekt Penthesilea fortgeschritten war, als nach ihrer Darstellung der Zweite Weltkrieg eine Fortsetzung der Dreharbeiten verhinderte. Im Interview mit André Müller (Die Weltwoche, 14.8.2002, Nr. 33) anläßlich ihres hundertsten Geburtstags knüpft die Filmemacherin in vielem an ihre Memoiren (1987) an:
[A.M.:] Trotzdem haben Sie den Parteitagsfilm für ihn [Hitler] gemacht.
[L.R.:] Ja, aber unfreiwillig. Ich hatte ganz andere Pläne. Ich wollte die ›Penthesilea‹ von Kleist verfilmen. Auf das Stück war ich 1925 durch Max Reinhardt gestossen, der in mir die ideale Besetzung für diese Rolle sah. Als ich es las, war ich sofort begeistert.
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2002-33/artikel-2002-33-man-will-dass-ic.html (auch in: André Müller: »Sie sind ja wirklich eine verdammte Krähe!« Letzte Gespräche und Begegnungen. Mit einem Vorwort von Elfriede Jelinek. München 2011)

Aus Riefenstahls Briefwechsel mit Georg Minde-Pouet geht hervor, daß dieser sie – als ein Mitglied der Kleist-Gesellschaft – mit Informationen zu Lebens- und Wirkungsgeschichte versorgt hat; sie ihrerseits plante im Anschluß an die Penthesilea einen Kleist-Film und wollte Hitler eine Biographie des Dichters als Präsent übergeben. Zusammen mit Minde-Pouet besuchte sie vermutlich am 22. Juli 1939 eine Aufführung des Trauerspiels bei den Luisenburg-Festspielen Wunsiedel, angeblich in Begleitung von Vertretern der Olympia-Filmgesellschaft. Anders als im Interview angedeutet, wurden die eigenen Dreharbeiten durch NS-Aufträge und Kontakte zu NS-Filmproduzenten insofern wohl eher gefördert als behindert. Gesicherte Aussagen sind hier aber schwierig. (Vgl. Martin Maurach: »Betrachtungen über den Weltlauf«. Kleist 1933-1945. Berlin: Theater der Zeit, 2008, S. 131-135)

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