Geniale Naivetät

Aus dem Brief eines Heidelberger Erstsemesters, geschrieben Ende September 1817 an seine Mutter:
»Daß Du mit Nantchen das Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist (der sich noch dazu bald auf sein Stück erschossen hat) besucht, freut mich; ich meine, Du wirst Dich gut amüsirt haben, wenn auch an dem Stücke nicht gar so viel ist, als immer in dem deutschen Beobachter daraus gemacht wird. Wenigstens ist etwas (d. h. hier viel) zu sehen daran, und das Stück mag sich überhaupt besser ansehen als lesen lassen. Am meisten hat mir die im ganzen Drama vorherrschende geniale Naivetät gefallen.« (Richard Rothe, Doctor und Professor der Theologie und Großh. Bad. Geh. Kirchenrath zu Heidelberg. Ein christliches Lebensbild auf Grund der Briefe Rothe’s entworfen von Friedrich Nippold. Bd. 1. Wittenberg: Koelling 1873, S. 60)

Welche(n) – der zumeist anonym publizierten – Artikel in dem erwähnten Deutschen Beobachter (Untertitel: privilegirte Hanseatische Zeitung) Rothe meint, ist mir nicht bekannt. Das Blatt, für das u.a. auch Achim von Arnim und Brentano geschrieben haben, »erschien seit Januar 1815 [bis September 1819] zunächst unter dem Herausgeber Cotta und dem leitenden Redakteur Bendix Daevel in Hamburg viermal wöchentlich als politische Tageszeitung. Daevel war bei der Gründung von Varnhagen von Ense unterstützt worden. Anfang 1817 hatte [Johann Friedrich] Benzenberg die Herausgeberschaft von Cotta übernommen. […] vom 1. April 1817 an nur zweimal wöchentlich […].« (Jürgen Knaack: Arnim und der »Deutsche Beobachter«. In: Neue Zeitung für Einsiedler. Mitteilungen der Intern. Arnim-Ges. Jg. 8/9. 2008/9, S. 51-67; hier: S. 53)

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