Germania 1916

Aus einem Flugblatt, »Zürich, im Dezember 1916«, unterzeichnet »Ein Deutscher«, mit dem Titel »Frieden?«:
»Ein neuer Schwindel.
Deutschland macht Friedensvorschläge. Das heißt, es hütet sich wohl bestimmte Vorschläge zu machen. Mit der ganzen theatralischen Aufmachung, die im Hohenzollernreiche nun einmal gang und gäbe ist, wird der erstaunten Welt verkündet, daß die Zentralmächte trotz ihrer ›Siege‹, trotz ihrer ›Unbezwinglichkeit‹ nicht abgeneigt sind, mit ihren Feinden eventuell über Frieden zu verhandeln. Und gleichzeitig wird gedroht: wenn jetzt die bösen Feinde, die ja bekanntlich das unschuldige Deutschland ruchlos überfallen haben, nicht sogleich Frieden schließen, dann sind sie eben verantwortlich für das weitere Blutvergießen […].
Die Kriegsmacher wollen mit dieser Friedenskomödie den ›heiligen Zorn‹ des deutschen Volkes gegen andere Völker entfachen; sie wollen damit seine Kriegsmüdigkeit, seine Friedenssehnsucht für ihre Kriegszwecke ausbeuten. Wie aber, wenn das ewig betrogene Volk den Zweck der Mache durchschaut? Der ›heilige Zorn‹ könnte sich dann gegen diejenigen richten, die seine heiligsten Gefühle mißbrauchen und zum Spielball ihrer Leidenschaften machen. Dann wird sich das ewig betrogene, hungernde und trauernde Volk jener Worte erinnern, die einst ein preußischer Dichter, Heinrich v. Kleist, geschrieben hat, und die da lauten:
›Schlagt sie tot, das Weltgericht
Fragt Euch nach den Gründen nicht.‹«
http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN767820312&PHYSID=PHYS_0001

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