Glasnost auf hessisch

Das vergangene Jahr hörte und las man viel von dem »armen Kauz aus Brandenburg« und davon, daß eine Menge Geld nicht nur in die Hand genommen, sondern zu dessen Feier, Angedenken, Memorierung etc. auch ausgegeben wurde. Wieviel, das erfuhr die Öffentlichkeit zwar schon so in etwa: Kleist-Jahr 2,1 Millionen und aus gegebenem Anlaß 5,4 Millionen als Zukunftsinvestition in Form des Museumserweiterungsbaus. Wieviel aber im Detail aus dem Jubiläumstopf den verschiedenen Projekten und Aktivitäten jeweils zugeflossen ist, das wurde nicht öffentlich, abgesehen von den 145 Tsd. Euro für das ›Kleist-Portal‹.

Blicken wir nun auf die Hessen. Auch sie müssen/dürfen feiern, angedenken, memorieren, nämlich ihren zweitgrößten – manche sagen auch größten – Musensohn, Georg Büchner. Am vergangenen 19. Februar dessen 175. Todestag, am 17. Oktober 1813 den 200. Geburtstag. Und das wird teuer: »Die Projekte haben nach heutigem Stand [Ende November 2011] ein Volumen von rund 7,1 Millionen Euro, wovon bereits knapp 6,1 Millionen durch Beteiligte, Stiftungen und andere Geldgeber finanziert sind.« http://www.gg-online.de/html/buechner_gedenkjahre/hmwk_plaene_2012_2013.htm

Nun gut, in pekuniärer Aufwendungshinsicht begegnen Kleist und Büchner einander auf ›Augenhöhe‹, sofern nicht kleinlich eingewandt wird, bei Letzterem seien es notabene zwei Gedenkjahre, die es zu zelebrieren gilt. Die Hessen aber, und das macht den bemerkenswerten Unterschied, legen ihre Finanzplanung in einer Machbarkeitsstudie offen. Das kann man gar nicht genug loben: http://www.forum-kunst-kultur.de/fileadmin/pdf/studie_georg_buechner.pdf

Auf Seite 11 der Machbarkeitsstudie werden übrigens die Kosten für ein ›Büchner-Portal‹ auf 150 Tsd. Euro veranschlagt – hoffen wir, daß diese Kalkulation keinen Plagiatjäger auf den Plan ruft. Wie es scheint, haben die Organisatoren des Kleist-Jahrs Maßstäbe gesetzt.

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