Glossar für Kleistianer (1)

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Die Wortneuschöpfung les Kleistiens des frühen Jean Giraudoux (?) hat mich darauf gebracht, nach ähnlichen Sprachkreationen Ausschau zu halten, z. B. Kleistomanie, belegt in der Zeitung Die Welt (25. März 2001); Kleistophilie, gedruckt nachweisbar in Klaus Behrs Forschungsbericht Gymnasialer Deutschunterricht in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Eine empirische Untersuchung unter ideologiekritischem Aspekt. Weinheim 1980, S. 233; Kleistaversion (vgl. Therese Giehse: »Ich hab nichts zum Sagen«. Gespräche mit Monika Sperr. München 1982, S. 100) … Die Sammlung kann/soll fortgesetzt werden …
Außer der Reihe, aber hier unverzichtbar: »ich bekomm Kleistophobie«(!) / κλειστοφοβία. Lege ipse: http://lyricstranslate.com/de/tilefono-tilefono-telefon.html

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3 Kommentare zu Glossar für Kleistianer (1)

  1. Martin Maurach sagt:

    Eine sehr schöne Sammlung! Sehr ähnlich übrigens bereits der Görlitzer Germanist Karl Schultze-Jahde (geb. 1879) an Minde-Pouet, am 26.4.1938: „Im übrigen möchte ich Ihnen gegenüber einmal entschieden betonen, daß mir die jetzige Verhimmelung Kleists (…) absolut mißfällt (…). Ich habe (…) den fatalen Eindruck, daß da eine Kleistmonomanie entsteht, die weniger Kleist sucht, wie er war, als daß sie sich mit hilfe (sic!) Kleists auf ein möglichst hohes Podium zu stellen sucht.“ Schultze-Jahde war anscheinend zur NS-Zeit eines der wenigen (bekannten) kritischeren Mitglieder der Kleist-Gesellschaft.

  2. Danke für den Hinweis! Es würde mich freuen, wenn Sie (oder wer immer mag) die Liste fortsetzen würden: „Kleistton„, „Kleistgefühl“ – es gibt noch viele solcher und ähnlicher Komposita…

  3. Martin Maurach sagt:

    Aus dem gleichen Korpus kenne ich noch den Brief eines Wilhelm Zech aus Hamburg, der sich Reichsbankinspektor nennt, immerhin, vom 14.7.1943 an Minde-Pouet: „Ich rufe auf zur Schaffung von Kleistzellen oder Kleistgruppen, anders benannt Ortsvereine, der Oesterreicher würde sagen Sektion. Ich möchte darunter (…) eine Arbeitsgemeinschaft der Kleistfreunde verstanden wissen. Diese soll die Aufgabe haben, eine tiefere Kenntnis der Kleistidee im Leben und Schaffen unseres Dichters zu vermitteln (…)“.– Vielleicht interessant wegen der sprachvergleichenden Bemühungen des Briefschreibers und wegen der heute an alle möglichen ‚K-Gruppen‘ und ‚Revolutionären Zellen‘ anklingenden politischen Diktion, damals natürlich an ‚NS-Betriebskampfgruppen‘ u.v.m. Beste Grüße aus der Heide!

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