Grabbes Krug

** Von Arno Pielenz, Cottbus **
Grabbe liebte volle Krüge, einen anderen aber mochte er wohl nicht: den Traugott Krug, Wilhelmine von Zenges Ehemann.
Im Lustspiel Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung bittet der Teufel den versoffenen Schulmeister um Kaffee-Lektüre für die endlich frühjahrsgeputzte Hölle: »[H]aben Sie vielleicht die Schriften des Professors Krug bei sich, insbesondere diejenige, welche den neuesten Stand der griechischen Sache betrifft?« Und in der Tat hat der Schulmeister diese Schrift (Neuester Stand der griechischen Sache, 1822) in seiner »Häringsliteratur« – er bekommt nämlich nicht mehr so recht verkäufliche Heringe in literarische Blätter eingewickelt zugesandt und ist so mit den Bestsellern der Zeit vertraut. Daß Krug hier unter die vielen banalen Modeschriftsteller der Zeit gerät, ist sicherlich ungerecht, aber wo Grabbe Shakespeare, Goethe, Schiller oder auch 13 Schneidergesellen köpft, da kommt es ihm auf einen weiteren zerbrochnen Krug nicht an.
Es mag aber auch um das Thema gehen: Natürlich ergötzt sich der Teufel an Revolutionen, Kriegen, Katastrophen. Die griechische Sache war eine teuflische Lektüre.

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Ein Kommentar zu Grabbes Krug

  1. Arno Pielenz sagt:

    Grabbe kannte Krug persönlich aus seiner Studienzeit in Leipzig, wo er bei ihm „Naturrecht“ gehört hatte. – Ein verspätetes studentisches Aufbegehren?

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