Grundschulung verhindert Drama

Karl August Boetticher-Wechsungen: Die Grundlagen der natürlichen Kampf- und Lebensgemeinschaft Deutschlands und Oesterreich-Ungarns (Berlin: Puttkammer und Mühlbrecht 1916 [Widmung: »Ein paar Freunden zugeeignet«]), S. 40:
»Rohrbach erzählt in seinem jüngsten Buche [Paul Rohrbach: Die Geschichte der Menschheit. Königstein/Ts. u. Leipzig: Langewiesche 1914, S. 109] eine Episode, die das trefflich charakterisiert: Fabius Rullianus hatte einst gegen den Befehl des römischen Diktators und in seiner Abwesenheit eine Schlacht geschlagen und gesiegt. Der Diktator zog ihn zur Verantwortung und wollte ihn verurteilen. Da entfloh Rullianus nach Rom und appellierte an den Senat. Als das nichts half, wandte sich sein Vater an die Volkstribunen und schließlich an das Volk selbst. Und dennoch war kein befreiendes Wort für den Sieger zu finden, der sich gegen den ersten und letzten Grundsatz der römischen Gemeinschaft, gegen das Gesetz der Volksdisziplin oder allgemein gegen das Gesetz der Disziplin der Lebenseinheit vergangen hatte. Darum hatte er keinerlei Recht auf Gnade. Erst als er sich dazu bekannte, und seine Bitte um Gnade vom Volke getragen wurde, schenkte der Diktator ihm das Leben.*) […]
*) Vgl. H. v. Kleist, Der Prinz von Homburg.«

Den Reiteroberst Q. Fabius Maximus Rullianus erwähnt auch Peter Max Gutzwiller: Über den Gehorsam, in: Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift 158 (1992), S. 561-564; zum Homburg vid. S. 563: »Entgegen der gängigen Darstellung, die sich auch auf Äusserungen Heinrich von Kleists stützt, liegt in Wirklichkeit kein Ungehorsam vor; der Prinz ›steht und träumt vor sich nieder‹ (I. Akt 5. Auftritt) ›… (er war) zerstreut. Ich habe es wohl gesehen‹ (II. Akt 2. Auftritt). Offensichtlich hat der Prinz bei der Befehlsausgabe nicht aufgepasst, seinen wahren Auftrag gar nicht gekannt (die Germanisten mögen es verzeihen: Ziff. 544 VA 80 und Ziff. 26 Regl. 51.19 Grundschulung hätten das Drama verhindert).«

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