Heinrichs Followerin

»Social Reading ist also das neue Ding«, schreibt Oliver Jungen in der FAZ. »Dabei geht es nicht um betreutes, sondern um gemeinschaftliches, das heißt laufend durch alle Teilnehmer kommentiertes Lesen in Sozialen Netzwerken. Es könnte gut sein, dass dies zur vorherrschenden Art und Weise wird, Literatur zu konsumieren.
Berührende Leseeindrücke mitzuteilen ist freilich nicht neu. Heinrich von Kleist etwa ›postete‹ am 22. März 1801 eine zackige Rezension zu Immanuel Kants dickster Schwarte an seine ›Followerin‹, vulgo Verlobte, Wilhelmine von Zenge. Der Drama-King von Berlin brach die ›Kritik der reinen Vernunft‹ auf die – an den Intentionen des Autors zwar stramm vorbeigehende, aber als Leseeindruck voll gültige – Einsicht in Twitterlänge herunter, dass nichts gewiss sei in Bezug auf die Erkenntnis: ›Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, so würden sie urteilen müssen, die Gegenstände, welche sie dadurch erblicken, sind grün‹ – und ebendas gelte erschütternderweise auch für die Wahrheit.« http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/lovelybooks-und-weitere-lese-communitys-13454583.html

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