Héloïse in der Hand

Ein veritables Werk der Liebe oder auch pour le roi de Prusse ist die Website, auf der Christoph Janecke die Früchte seines heimatkundlichen und genealogischen Sammlerfleißes ausstellt. Von besonderem, weil nächstliegendem Interesse die chronologischen Notizen zu dem Ort Stolpe am Wannsee; hier einige Auszüge, ein wohlbekanntes Etablissement betreffend: http://www.janecke.name/ortsgeschichte/das_dorf_stolpe
[1792:]
»Auf Anordnung des Königs Friedrich Wilhelm II. wird bis zum Jahre 1795 nördlich des Königswegs zwischen Potsdam und Berlin […] die preußische Musterstraße gebaut. Nach dieser Zeit wird es einsam auf dem alten sandigen Königsweg, der alten Heerstraße, die über die Försterei Dreilinden, südlich vorbei am Stolper Loch (Kleiner Wannsee) durch Stolpe und dann über die Hempstücken und Klein-Glienicke nach Potsdam führt. Und so einsam wird es auch am Rast- und Haltepunkt des Kruggutes von Friedrich Sandow. Dieser verkauft den Krug an Erdmann Stimming.«
[1794:]
»Nachfolger des Krugwirtes Erdmann Stimming wird Johann Friedrich Stimming. Er verlegt den Gasthof neben die Friedrich-Wilhelm-Brücke (spätere Wannseebrücke) an die ›Grenze‹ zwischen dem Kleinen und dem Großen Wannsee, mit unterstützender Beyhülfe von 3.032 Thalern, 9 Groschen und 5 Pfennigen, mit der er das Etablissement ›Neuer Krug‹ errichten lässt. Die Beihilfe dient ihm als Entschädigung für den alten Krug in Stolpe, ›der mit dem Bau der neuen Chaussee vom Wege abgekommen‹ war.«
[1863:]
»Der Berliner Bankier Wilhelm Conrad (1822-1899) erwirbt den Gasthof ›Stimminger Krug‹ an der Friedrich Wilhelm Brücke und wird diesen in der Folgezeit (um 1870) abbrechen lassen. Er erwirbt des Weiteren 300 Morgen des umgebenden Landes.«
[1864:]
»Gründung der Villenkolonie Alsen auf dem Grundstück des ›Stimminger Krugs‹ am Großen Wannsee […].«
[Zu Conrad und der ›Villenkolonie Alsen‹ auch: http://www.ghwk.de/engl/exhibit-garden/garden-1.htm]

»Wir wunderten uns sehr, daß diese reitzende Gegend nicht mehr zum Aufenthalte der Begüterten dient, kein Landhaus ist hier herum zu sehen. Welches Paradies könnten Geschmack und Reichthum nicht hier hervorrufen«, schrieb 1822 ›Hortensia‹ (Elise von Hohenhausen) in der dreiteiligen Artikelserie Ausflug nach Potsdam (in: Zeitung für die elegante Welt, 26.-28. September 1822, Nr. 188-190; danke, R. P.!). »Wir stiegen bei Stimming, dem Besitzer eines auf einer Anhöhe gelegenen Wirthshauses, ab. Im Garten desselben genossen wir eine entzückende Aussicht über den großen Wansee, an dessen andern Ende das Dörfchen Glakow liegt. Kleine mit Wald bekränzte Anhöhen umringen den klaren See, an dessen Ufern tausend Vergißmeinnicht blühen, an seinem östlichen Ende blickt der Thurm von Spandau glänzend weiß aus der blauen Fluth hervor. Rousseau’s Heloise in der Hand, sollte es hier wohl einer lebendigen Phantasie gelingen, in poetischem Dämmerungsdunkel die Anhöhen in Felsen zu verwandeln, und sich an die Ufer des Lemanns zu träumen, wo dann das Dörfchen Glakow zu Juliens Meillerie würde. Auf der andern Seite des Wirthshauses findet man einen etwas kleinern, ganz mit romantischen Hügeln eingeschlossenen See – der Stolpensee genannt.«

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