Herr Dr. Peter Haage,

geboren 1940 in Dresden, welche Mühe bereiten Sie Ihren Mitmenschen auch noch nach Jahrzehnten! Drucken in dem von Ihnen herausgegebenen Band »Egon Friedell, Wozu das Theater? Essays, Satiren, Humoresken« (München: Beck 1965) auf den Seiten 154 bis 156 den Text »Penthesilea. Kerrisch« ab und verraten mit keiner Silbe, wo selbiger vorher schon veröffentlicht, wenn nicht erstgedruckt worden ist. Will sagen: Sie haben keinen Gedanken, keine halbe Seite darauf verwendet, Ihren Band mit einem schnell zu überfliegenden Drucknachweis zu versehen, verstecken vielmehr in Ihrer »Einleitung« (S. 23) die Bemerkung, daß Sie just jene von der interessierten Gemeinschaft der Kleist-Forscher so dringlich gesuchte erstgedruckte »Penthesilea« dem »Friedell-Brevier« von Walther Schneider, »seinem [Friedells] engsten Freund, der es aus ›Nachlaß und Schriften‹ 1947 herausgegeben hat«, entnommen haben.
Herr Dr. Peter Haage, die auf Verdacht hin vorgenommene Lektüre Ihrer »Einleitung« hat mich bis zur fraglichen Stelle auf Seite 23 unter Zuhilfenahme rationellster Querlesetechniken durchaus sechs Minuten meiner Gesamtlebenszeit gekostet, ferner eine weitere Fernleihbestellung veranlaßt, wodurch nicht nur ein ganzer Bibliotheksbetrieb, sondern auch noch ein Postbote in Gang gesetzt werden müssen.
Herr Dr. Peter Haage (und Sie alle, die Sie Bücher herauszugeben gedenken), denken Sie bitte hinfort an all die armen Bibliographen, die Ihrer Unterlassungen wegen ein – wenn auch kleines, aber vielleicht doch entscheidendes – Quantum ihres Lebenszeitkontingents in die Waagschale werfen müssen, um Ihre Großzügigkeit zu kompensieren. Geben Sie hinfort Ihre Quellen zeitökonomisch rationell an!
Darum ersucht Sie verbindlichst
der Aushilfskellner von Stimmings Inn,
der immer noch hofft, einen soliden bibliographischen Eintrag liefern zu können.
PS: Herr Dr. Peter Haage, geboren 1940 in Dresden, ich streiche hiermit alles Vorstehende, denn dank Bayerischer Staatsbibliothek liegt mir seit dieser Minute vor das »Friedell-Brevier. Aus Schriften und Nachlass ausgewählt von Walther Schneider«, Wien: Erwin Müller 1947, woselbst auf S. 333-335 der fragliche Text abgedruckt ist, wiederum ohne Quellenangabe, dafür unter der Kapitelüberschrift »Die Theaterkritiken 1923 bis 1924«.
Bleibt nur die ungeklärte Frage, wie Sie dazu kommen, den dortigen Untertitel: »(Im Stile Alfred Kerrs)« in »Kerrisch« zu verkehren.
Hochachtungsvoll!
d.O.

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