Hinweis auf eine Subskribentenliste

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Kleists Vater sei »vor allem eine Leerstelle«, über ihn wisse »man kaum etwas«, schreibt Peter Michalzik in seiner Biographie Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher (Berlin: Propyläen 2011, S. 68 u.75). Wohl wahr.
Gerade deshalb hätte man als Biograph jedes noch so kleine Fitzelchen Papier in Betracht zu ziehen und seine Relevanz sorgfältig zu prüfen. Was hat es z.B. mit dem folgenden Pränumerantenverzeichnis aus dem Jahre 1782 auf sich, in dem ein Major von Kleist aus Frankfurt an der Oder auftaucht?: http://url9.de/UJF

Joachim Friedrich v.K., Kleists Vater, war seit dem 3. April 1780 Major, käme also durchaus auch in Frage (selbstverständlich sind mir auch gewisse namentliche Überschneidungen mit den Taufpaten Heinrichs v.K. aufgefallen: Egloffstein, »Karnecke« = Kam[e]ke etc.).
Joachim Rüdiger von Kleist, gestorben am 7. Oktober 1782, wurde erst am 20. Mai 1782 zum Oberstleutnant befördert, war demnach vermutlich zum Zeitpunkt der Eröffnung der Subskribentenliste noch Major.
Wer von beiden ist also derjenige, welcher?
Reizvoll ist es allemal, sich vorzustellen, daß der spätere Verfasser der Herrmannsschlacht die Römischen Kriegsalterthümer im väterlichen Bücherschrank vorgefunden haben könnte. Die Trouvaille würde freilich erst dann wirklich eine, »wenn man jetzt noch in dem Buch ein Detail fände, das es nur dort gibt und das Kleist in seinem Drama verarbeitet hat« (Eberhard Siebert per Mail an mich, 26. Oktober 2012; herzlicher Dank an ihn).

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Ein Kommentar zu Hinweis auf eine Subskribentenliste

  1. Björn v. Einem sagt:

    Auch ohne Verwertung im Stellenkommentar zur »Herrmannsschlacht« werden solche ›Spuren ins Magazin‹ für eine noch zu schreibende intellektuelle Biographie Heinrich v. Kleists von Interesse sein. Wenn nicht in der väterlichen Bibliothek oder bei einem seiner Paten konnte Kleist auch in der Potsdamer Zeit, etwa bei Christian von Massenbach, den das (übrigens von Schellings Vater eröffnete) Verzeichnis der Pränumeranten drei Seiten später aufführt, auf die »Römischen Kriegsalterthümer« von 1782 gestoßen sein. Hier war für ihn dann auch mehr über einen der beiden Verfasser zu erfahren. Johann Jakob Heinrich Nast, 1780 Schillers Griechisch-Lehrer und eben 1782 Opponent der Massenbachs während der öffentlichen Prüfungen an der Hohen Carlsschule; noch im letzten Heft der »Thalia«, in der Kleist nicht nur den »Dom Karlos« las, ist der ›vortreffliche Grieche‹ (Schiller an Cotta, 29. März 1794) mit der Probe zu einer Euripides-Übersetzung vertreten.

    Vielleicht hat Massenbach Kleist bei dieser Gelegenheit auf eine eigene Schrift des Jahres ’82 aufmerksam gemacht: »Ueber die Kugel-Bahn«, eine Übersetzung aus dem Französischen, die er noch im selben Jahr an Friedrich II. gesandt und später mit ihm diskutiert hatte – das ›billet d’entrée‹ des Militärtheoretikers in Friedrichs Armee. Die erst 1809 publizierte Anekdote von Massenbachs erster Begegnung mit dem König und Dienstherrn von Kleists Vater im November 1782 wird Kleist, dessen Friedrich-Verehrung sich wahrlich nicht auf Touristisches beschränkt, bereits hier gehört haben: In der selbstbewußten Klage über die geringe Freundlichkeit, mit der ihm Friedrich Wilhelm III. begegnet sei – »wenn er meiner nicht bedarf, so bedarf ich seiner noch weit weniger« (an Ulrike, 25. November 1800) hört man nicht nur märkischen Adelsstolz, sondern auch ein Echo auf Massenbachs Antwort auf die Frage von Friedrichs Adjutanten Arnstedt: »Aber was wollen Sie denn von dem Könige?« – »Von dem Könige will ich nichts, wenn er nichts von mir will.« (Massenbach 1809, 7). Arnstedts Tochter heiratete übrigens 1786 den notorischen Lieblingsschüler dieses Königs, Kleists späteren Vorgesetzten Ernst v. Rüchel. Sie starb eine Woche nach der Hochzeit.

    Und vielleicht gab Massenbach bei dieser Gelegenheit Kleist auch Auskunft über den ebenfalls die »Römischen Kriegsaltertümer« pränumerierenden Lieutenant Miller: Franz Georg Anton Miller, 1776 wie der junge Schiller unter den Respondenten bei Abels Disputation, zählt zum Kreis der Namenspaten für die 1782 begonnene »Luise Millerin« (zu Millers Verheiratung mit einer ›natürlichen Tochter‹ siehe den Brief von Schillers Vater vom 10. November 1783). In Agnes Schroffensteins Verdacht, das ihr von Ottokar gereichte Wasser sei vergiftet, wirken noch die Kabalen des verliebten Limonadenmörders Ferdinand nach.

    Noch mehr ließe sich beim Blick auf die Liste in Nast/Rösch (den Schiller natürlich auch kannte; siehe den Brief an Goethe vom 15. Oktober 1796) erinnern, und wenn nicht jeder notierte ›link‹ sogleich hermeneutische Offenbarungen nach sich zieht, wächst doch der Wunsch sowohl nach einer gründlicheren Darstellung der frühen Jahre Kleists wie nach seiner Lektürebiographie, Grundbausteine einer ihrem verteufelt belesenen Gegenstand endlich angemessenen Lebensbeschreibung: 2027 ist Kleist-Jahr.

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