Im Telegrammstil

Volker Hage im SPIEGEL über Thomas Lehrs Novelle Frühling (Berlin: Aufbau-Verlag 2001):
»Ein Doppelselbstmord wird angedeutet: Rauch und seine Geliebte Gucia scheiden freiwillig aus dem Leben, sie wegen einer Krebserkrankung, er aus Überdruss und gequält von einer Erinnerung. Nicht allein diese Inszenierung – erst erschießt Rauch Gucia, dann sich selbst – verweist auf den Altmeister der deutschen Novelle, auf Heinrich von Kleist, der sich und seine Freundin 1811 am Wannsee bei Potsdam tötete.
Im Sinne von Kleist ist auch der in wenigen Worten umrissene Kern der Geschichte. Was in der ›Marquise von O…‹ (1808) eine Notiz in den Zeitungen ist, in der die ›Dame von vortrefflichem Ruf‹ bekannt gibt, dass sie (›ohne ihr Wissen‹) in andere Umstände gekommen sei und den ›Vater zu dem Kinde‹ bitte, sich zwecks Heirat zu melden, das ist bei Lehr nun ein gegen Ende der Novelle im Telegrammstil zusammengefasstes Ereignis: als ich 11 jahre alt war +++ im sommer 1961 +++ verhaftete man im garten meines vaters des arztes dr. x. einen exhibitionisten von dem nie etwas in der zeitung stand +++ der nicht angezeigt wurde.« http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-19120884.html

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