Imaginative Intensität

Wolfgang Sofsky in der NZZ über Karl Heinz Bohrers Buch Ist Kunst Illusion? (München: Hanser 2015):
»Um die Rettung des Ästhetischen als eigener Wertsphäre geht es Bohrer, jenseits von gut und böse, von wahr und falsch, von nützlich und unnütz. Auch der jüngst erschienene Band […] errichtet Grenzmarken. Sie sollen die Künste vor den Übergriffen der Geschichte, der Psychologie und Moral retten.
Bohrers Gewährsleute sind nicht unbekannt: Novalis, Brentano, Baudelaire, Nietzsche, Bataille oder auch Heinrich von Kleist, dessen ›Michael Kohlhaas‹ er nicht als Lehrstück über die fatalen Folgen des moralischen Rigorismus liest, sondern als Exemplum ›imaginativer Intensität‹. Der ›gottverdammte, entsetzliche‹ Mordbrenner stürzt im Kleistschen Text von Augenblick zu Augenblick. Er erbleicht, errötet, gerät ausser sich, bewegt sich knapp vor dem Abgrund. Doch was Bohrer als Schreibweise eines rätselhaften Ausnahmezustands identifiziert, widerspricht der moralischen Lesart nicht, sondern bestätigt sie. Unbedingt ist die Wut zur Rache. Kohlhaas ist kein Prinzipienreiter, er agiert im Sog der Vergeltung, die ihr Ende nicht in Ausgleich oder Strafe findet, sondern in Vernichtung rundum.« http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/die-wunder-der-illusion-1.18508371

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