In den Abendstunden

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
An den Frankfurter Stadtschulrat Otto Kretschmann richtete Georg Minde-Pouet am 17. Februar 1939 die trübe Nachricht, daß »es aussichtslos erscheint, daß wir in absehbarer Zeit einen Geschäftsführer für die Kleist-Gesellschaft in Frankfurt [Oder] finden werden«. Hatte seine Trennung von Walter Vogel, immerhin einem promovierten Juristen, im Vorjahr solche Wellen geschlagen, daß eine längere Vakanz zu befürchten war? Aus Berlin hatte Minde-Pouet dem Juristen Vogel eine ›Nebenregierung‹ in Frankfurt und anderes mehr vorgeworfen.
Andererseits brauchte er wie wohl jeder autoritäre Vorgesetzte natürlich jemanden, der für ihn die Fehler machte. Im gleichen Schreiben wußte er auch den Rat, daß ein »Fräulein Pipping vielleicht in den Abendstunden Arbeiten der Geschäftsführung […] übernehmen könnte«. Beim Durchregieren mit Hilfe einer – höchstens – halben Sekretärin blieb es dann auch bis 1945. Die Namen seiner Hilfskräfte wechseln gelegentlich, und Minde-Pouets Klagen über seine ›Arbeitsüberlastung‹ durch die Gesellschaft reißen nicht ab – schließlich war er nach eigener Darstellung immer wieder auf wichtiger Mission in den ›besetzten Gebieten‹. Trotzdem wird man vermuten müssen, daß es ihm durchaus entgegenkam, die – vermeintliche? – Einrede aus Frankfurt (Oder) zum Schweigen gebracht zu haben.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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