Internationales Mahnwesen

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Klar, daß Georg Minde-Pouet auch lange nach dem Ende seiner höheren Bibliothekslaufbahn keine eigenhändigen Mahnschreiben mehr verfaßte. Umso weniger, wenn die Angelegenheit knapp unterhalb internationaler Verwicklungen rangierte. In Italien waren im September 1943 die Alliierten gelandet, und die Regierung Badoglio erklärte dem zuvor verbündeten Deutschen Reich den Krieg. In Mailand lagen aber noch »43 Bücher« aus der inzwischen in den Besitz der Stadt Frankfurt (Oder) übergegangenen Kleistbücherei:
»Die Bücher sind trotz mehrfacher Anmahnungen bisher nicht zurückgegeben worden, weil angeblich ein Ausfuhrverbot die Rückgabe unmöglich machte. Nach der neuesten politischen Entwicklung in Italien steht zu befürchten, daß die sehr wertvollen Bücher verloren gehen. Die Verhandlungen des Professors Dr. Minde-Pouet mit der Italienischen Botschaft in Berlin haben zu keinem Erfolge geführt.«
Dieses Schreiben richtete der Frankfurter Stadtschulrat Otto Kretschmann daher am 19. November 1943 an die »Auslands-Organisation der NSDAP« mit der konstruktiven Frage, ob diese »in Mailand eine Nebenstelle« unterhalte, und, besonders wichtig: »Wie wird es gegebenenfalls möglich, eine Postverbindung mit dieser Nebenstelle zu erhalten?«
Das wissen wir natürlich auch nicht; ebensowenig, ob die deutschen ›Hilfstruppen‹ von Mussolinis oberitalienischer Faschistenrepublik die Bände kurz vor Kriegsende noch persönlich abgeholt haben.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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