Junger Dichter, altes Haus

Ein Artikel in den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 28. August wartet nicht nur mit verschärft philosophischen Einsichten auf (»Die Dellen der Geschichte lassen sich nicht so leicht glätten«), sondern vor allem mit der atemberaubend irreführenden All-in-one-Mitteilung »Die Kleist-Schule feiert den 275. Geburtstag ihres Namensgebers«. http://www.pnn.de/potsdam/886674/
Die Jubelfeier gilt dem 1739 eingeweihten Barockbau der Großen Stadtschule oder auch Grande École in Potsdam, heute Sitz der »Schule des Zweiten Bildungsweges ›Heinrich von Kleist‹«: »Die Große Stadtschule, 1739 gebaut, ist die letzte Schulneugründung Friedrich Wilhelms I. in Potsdam. Sie ist zugleich eines der bedeutendsten städtischen Gebäude aus der Zeit dieses Königs und wohl neben dem Kommandantenhaus der einzige repräsentative Bau der zweiten Stadterweiterung. Die verschlungenen Initialen des Königs ›FWRB‹ (Fridericus Wilhelmus Rex Borussiae) zieren in vergoldetem Kupfer den Balkon der heutigen Abendschule. In den Anfangsjahren der Schule unterrichteten zwei Lehrer die beiden Klassen. Erst 1812 wurde die Stadtschule vergrößert und erhielt die offizielle Anerkennung als Gymnasium. Namhafte Schüler der Großen Stadtschule waren u. a. der Revolutionär Maximilian Dortu, der Mathematiker Carl Gustav Jacobi, der Naturwissenschaftler Hermann von Helmholtz und der Dichter Heinrich von Kleist.« https://www.potsdam.de/cms/beitrag/10021143/287369/17
Während seiner Potsdamer Zeit nahm Kleist bekanntlich Privatunterricht bei Heinrich Bauer, insbesondere in Mathematik und deutscher Grammatik. Die Stunden fanden im Schulgebäude statt (Nauener Straße; heute: Friedrich-Ebert-Straße 17), wo Bauer, seit 1795 Konrektor des Lyceums, auch wohnte (Adreß-Kalender, der Königlich Preußischen Haupt- und Residenz-Städte Berlin und Potsdam […] auf das Jahr 1798, S. 34); unweit davon, ebenfalls in der Nauener Straße, wie man annimmt, hatte Kleist seine Unterkunft. Ob der Schüler etwas vom Privatleben seines Lehrers mitbekam, ist unbekannt. 1797 starb Bauers erste Ehefrau und hinterließ eine Tochter, am 23. Oktober 1798 hat sich Bauer erneut verheiratet, mit Jeanette Torchiana, am 30. August 1799 kam ihr erstes Kind, ein Sohn, zur Welt (Vossische Zeitung, 30.10.1798 und 3.9.1799).
Ältere Photoaufnahmen des Schulgebäudes hier: http://www.bildindex.de/obj32040922.html#|home

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.