Kanonfutter

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Zu Kriegsbeginn 1939 befindet sich der Autor Albert Vigoleis Thelen (1903-1989) zusammen mit seiner Beatrice auf rasanter Flucht zum Landgut des portugiesischen Mystikers Teixeira de Pascoaes (den er übersetzte). Will man Thelen glauben – und wer wollte das nicht –, entspinnt sich folgender Dialog mit dem Fahrer des Fluchtautos, einem gewissen Dr. Angelo Cesar Machado, der
»meine Meinung hören [wollte], ›wie das Volk, das Ihre, das uns so zu schaffen macht, eben das Volk der Dichter und Denker, sagen wir Kleist, Mommsen, Schopenhauer …‹
›Bravo, Herr Doktor!‹
›Soll das ein Lob sein? Es ist doch so.‹
›Nicht einzig Lob, mein Freund, ein wenig Verwirrung meiner Gefühle sei zugegeben‹ – denn ich dachte weißgott, jetzt sagt er Goethe und Schiller, dann Bach und Beethoven, die für solche Zwecke immer herhalten müssen.
›Gut, wen immer Sie wollen: es bleibt die Frage, wie hat dieses Volk dem aufjohlenden Pöbel verfallen können?, und dann Mozart!‹«
Das Buch für die Insel, Thelens Insel des zweiten Gesichts (1953), hat als Taschenbuch über 700 Seiten, so daß hier leider der Raum fehlt, auch die von Vigoleis im Anschluß entwickelte Parallele zwischen NS-Ideologie und Schweinezucht zu zitieren.
(Quelle: Albert Vigoleis Thelen: Ankunft in Porto, in: Die Horen 45 [2000], H. 199, S. 123-136; hier: 134f.)

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