Kleist & Kleister

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Wenn man Kleist »vertonen« wolle, käme stets Kleister heraus. Diesen angeblich auf Hans Pfitzner zurückgehenden Spruch habe ich vor Jahren mal aus dem Munde des Komponisten Wolfgang Rihm gehört (1981 war das, bei Gelegenheit eines längeren Interviews mit ihm, das ich dann nur in Auszügen publiziert habe).
Kleist und Kleister – das ist, wie sich nun herausstellt, ein ganz alter Kalauer, der viele Väter hat. Hier aus Platzgründen nur eine kleine Auswahl von Nachweisen, denen sich zahlreiche weitere, von Rudolf Blümner (»Echter Dramen-Rezensierer / Jährlich preist er Kleist, / Wie ein rechter Tapezierer / Seinen Kleister preist«) bis Eckhard Henscheid, hinzufügen ließen (Ergänzungen bitte an: r.pabst@literaturdetektiv.de):
—1867—
»[…] ein bekanntes Witzblatt [brachte] neulich von dem Eigennamen Kleist einen Comparativ Kleister […], um zu bezeichnen, daß Kleist sich selbst übertroffen habe«
(Friedrich August Kämp: Ueber die Comparation der als Adjectiva gebrauchten Participien im Lateinischen und im Deutschen, Breslau 1867, S. 4).
—1878—
»[…] nicht Kleist, sondern Kleister […]«
(Aus einem Brief des Vaters von Josef Kainz an seinen Schauspieler-Sohn, Wien, 21. Mai 1878, zit. nach: Paul Elbogen [Hrsg.], Geliebter Sohn. Elternbriefe an berühmte Deutsche, Berlin 1930, S. 278).
—1903—
Über Georg Jarnos Komische Oper Der zerbrochene Krug (Libretto: Heinrich Lee):
»›Jarno hat aus Kleist Kleister gemacht‹, schrieb damals sehr witzig Ferdinand Pfohl in den Hamburger Nachrichten« (Heinrich Chevalley: Hundert Jahre Hamburger Stadt-Theater, Hamburg 1927, S. 173).

Den bislang frühesten – unfreiwilligen – Beleg entdeckte ich im Kolumnentitel der S. 483 in Johannes Scherrs Allgemeiner Geschichte der Literatur […], Stuttgart 1851: »Bettina. Rahel. Kleister. Körner«, korrigiert auf S. XIX: »st[att] ›Kleister‹ l[lies] ›Kleist‹«.

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